Die CSU-Fraktion im bayerischen Landtag macht bei der Ausweitung der Ganztagsschulen Druck auf die Staatsregierung. «Mein Ziel ist ein flächendeckendes Angebot für alle Schularten in 10 bis 15 Jahren», sagte CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann dem «Münchner Merkur». Bisher sind Ganztagsangebote in Bayern vor allem für Hauptschulen geplant.
Herrmann verlangte von der Staatsregierung, die Grundschulen stärker in den Blick zu nehmen. «Das ist ein Punkt, der bislang noch nicht genug diskutiert wurde», sagte er. Für viele Eltern sei es ein Problem, wenn ihre Kinder nach Schuleintritt keine Nachmittagsbetreuung mehr hätten. Herrmann will in den nächsten zehn bis 15 Jahren auch sämtliche Schulen und Horte zusammenführen.
Schulminister Siegfried Schneider (CSU) reagierte positiv auf die Forderungen Herrmanns. Ein bedarfsgerechtes Angebot sei für alle Schularten wichtig, sagte er der Zeitung. Der Einstieg in die Ganztagsgrundschule sei schon vergangenes Jahr an zehn Standorten gelungen, 2008 sollten es 30 sein. Schneider warnte allerdings, für die Nachmittagsangebote müsse es «genügend höchstqualifizierte Lehrkräfte» geben. «Das wird im Grundschulbereich nur in Schritten möglich sein. Ob wir das in zehn Jahren hinkriegen, ist Zukunftsmusik», sagte der Minister. Die Pläne seien ehrgeizig.
Für die CSU bedeutet die Hinwendung zur Ganztagsschule eine ideologische Neuausrichtung in der Schulpolitik. Der Vorsitzende der Zukunftskommission des Freistaats, Herbert Henzler, lobte das Umdenken der CSU. «Die Umstellung von einer Halbtags- auf eine Ganztagsschule ist eine enorme Veränderung», sagte Henzler dem Blatt. Bei der Umsetzung der Kommissionsergebnisse seien im Schulbereich «die größten Herausforderungen zu überwinden». Ein Zurück gebe es allerdings nicht mehr: «Das wird kommen. Der Zug hat bereits den Bahnhof verlassen.»
Der Bayerische Philologenverband (bpv) begrüßte ebenfalls die Ankündigung, mittelfristig Ganztagesangebote an allen Schularten zu schaffen. "Dieser Schritt ist notwendig. Er reagiert auf die veränderte Welt, in der unsere Schülerinnen und Schüler heute aufwachsen", konstatierte der bpv-Vorsitzende Max Schmidt den Richtungswechsel.
Gleichwohl erinnerte Max Schmidt daran, dass die G8-Reform einen Ganztagsbetrieb, wenngleich auch nur an einigen Nachmittagen, bisher ausschließlich am Gymnasium erforderlich mache. Diese Umstellung sei immer noch nicht abgeschlossen. "Uns wäre es lieber, erst einmal eine Baustelle zu beenden, als an drei weiteren neu anzufangen". Nach wie vor fehle es vielen Gymnasien an pädagogischen Hilfskräften für Hausaufgaben- und Mittagsbetreuungen, angepassten Busfahrplänen sowie den räumlichen Voraussetzungen für einen Ganztagsbetrieb, erklärte der Verbandsvorsitzende: "Eine Mensa allein macht noch keine Ganztagsschule. Viele Gymnasien sind überbelegt und platzen schon im Halbtagsbetrieb aus allen Nähten."
Anders als Herrmann plädiert der bpv auch dafür, echte Ganztagesschulen nur bedarfsorientiert, nicht aber flächendeckend einzuführen. "Ganztagsschulen sind etwa 30 Prozent teurer als Halbtagsschulen", erläuterte Schmidt. "Man sollte sie deshalb nur dort einführen, wo auch wirklich ein Bedarf besteht."
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