Das Bayerische Kabinett hat auf Initiative von Kultusminister Siegfried Schneider dem bedarfsgerechten Ausbau der Ganztagsangebote an Hauptschulen grünes Licht gegeben.
Das Kabinett stimmte der Vorlage des Ministers zu, bis 2012/2013 ein bedarfsgerechtes und flächendeckendes Angebot gebundener Ganztagsschulen an Hauptschulen aufzubauen. Damit hat das Kabinett seine politische Aussage von Dezember 2006 konkretisiert. Kultusminister Schneider hat nun die Weichen für den raschen Ausbau der Ganztagsangebote an Hauptschulen gestellt. "Heute ist ein großer Tag für die Hauptschüler in Bayern", so Minister Schneider.
Konkret kann Minister Schneider die Weiterentwicklung der Hauptschule nach dem Kabinettsbeschluss auf folgenden Grundlagen aufbauen:
1. Im Rahmen einer Sonderfinanzierung werden für den Zeitraum von 2008 bis 2011 Mittel für rund 1300 Lehrkräfte zur Verfügung gestellt.
2. Hinzu kommen rund 15 Millionen Euro Sondermittel für Fachkräfte in der Ganztagsbetreuung
3. sowie sieben Millionen Sondermittel für externe Fachkräfte, die die Schulen in der Profilbildung unterstützen, die keine Ganztagsangebote setzen. "Die Sondermittel sind notwendig, da zwischen 2008 und 2011 bei Betrachtung des Bedarfs aller Schularten die Hauptschulreform nicht aus dem Schülerrückgang finanziert werden kann", so der Kultusminister.
"Mit dem bedarfsgerechten Ausbau der Ganztagsangebote an Hauptschulen können wir die Schülerinnen und Schüler besser individuell fördern und ihre Chancen erhöhen, die Hauptschule mit einem Abschluss zu verlassen", fasste Minister Schneider die Ergebnisse des Beschlusses für die Schüler zusammen. Der Kultusminister will die Quote der Schüler, die die Hauptschule ohne Abschlusse verlassen, deutlich senken. Gegenwärtig liegt ihr Anteil bei rund acht Prozent.
"Für leistungsstarke Jugendliche ergeben sich an den Ganztagshauptschulen mehr Chancen, dass sie auch den Mittleren Bildungsabschluss an der Hauptschule erwerben", so Minister Schneider. Derzeit absolvieren die M-Klasse beziehungsweise den M-Zweig rund 20 Prozent der Hauptschüler erfolgreich. Für jede Ganztagsklasse stellt das Kultusministerium der Schule zwölf Lehrerstunden pro Woche sowie ein Jahresbudget von 6000 Euro zur Verfügung.
Indes kritisierte Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern: "Natürlich braucht Bayern mehr Ganztagsschulen, in denen die Schüler individuell und effektiv gefördert werden können. Die derzeitige Schulpolitik in Bayern zementiert aber die strukturellen Fehlentwicklungen und macht insbesondere die Hauptschule zu einem Sammelbecken für die ohnehin schon Benachteiligten, Kinder mit Migrationshintergrund und aus so genannten bildungsfernen Schichten."
Nach Ansicht der GEW besteht das Grundproblem in der rigiden und sozial ungerechten Auslese durch das bayerische Schulsystem: Die Zuteilung zu bestimmten Schularten nach der vierten Klasse erfolge eben nicht "begabungsgerecht", sondern werde maßgeblich durch herkunftsbedingte Benachteiligungen bestimmt. Kinder aus Akademikerhaushalten haben in Bayern eine um fast siebenmal höhere Chance, ein Gymnasium zu besuchen als Kinder aus Facharbeiterhaushalten.
Oskar Brückner: "Minister Schneider betreibt Augenwischerei, wenn er behauptet, dass die M-Abschlüsse mit der Mittleren Reife der Realschulen verglichen werden können. In der Realität haben die Schüler mit diesem Abschluss kaum Vorteile auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Die Lösung kann nur die ´Eine Schule für alle´ sein, die natürlich als echte Ganztagsschule konzipiert werden muss. Nur durch den gemeinsamen Schulbesuch bis zur Mittleren Reife kann das Bayerische Schulsystem sozial gerechter werden."
Die GEW fordert in diesem Zusammenhang die sofortige Einstellung einer ausreichenden Anzahl qualifizierter Lehrkräfte, 19 zusätzliche Lehrerstunden pro Ganztagsklasse (statt jetzt zwölf Stunden) und vor allem den Einsatz von anderen Professionen an Ganztagsschulen, wie Sozialpädagogen und -arbeiter, Sonderpädagogen, Schulpsychologen und Förderlehrer. "Nur so kann ein institutionalisiertes Förder- und Unterstützungssystem etabliert werden. Die jetzt angekündigten unzureichenden Maßnahmen zeigen den Stellenwert, den Minister Schneider den Ganztagshauptschulen wirklich beimisst", so Brückner.
© www.ganztagsschulen.org
Die Übernahme von Artikeln und Interviews - auch auszugsweise und/oder bei Nennung der Quelle - ist nur nach Zustimmung der Online-Redaktion erlaubt.