"Der Medienkonsum von Jungen spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Frage, welche Leistungen Jungen in der Schule erbringen", erklärte Kultusminister Helmut Rau. Dies sei jedoch kein Baden-Württemberg spezifisches Problem, sondern eine Herausforderung, der sich alle Bundesländer gleichermaßen stellen müssten.
Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts in Niedersachsen habe gezeigt, dass sich die Mediennutzungsmuster von Jungen signifikant von denen der Mädchen unterscheiden. Jungen würden täglich bis zu zwei Stunden mehr Zeit mit Computerspielen und Fernsehen verbringen. "Die Angebote der Ganztagsschule, die frühkindliche Bildung und gezielte jungenspezifische Maßnahmen wie "Kicken und Lesen" sind der richtige Ansatz, um auf die besonderen Bedürfnisse der Jungen zu reagieren", betonte Rau.
Bei der Förderung von Jungen, insbesondere aus bildungsfernen Familien, spielt die frühkindliche Bildung eine wichtige Rolle. Mit den neuen Orientierungsplänen im Kindergarten bietet sich den Erzieherinnen und Lehrkräften mehr pädagogischer Spielraum, um die Fähigkeiten und Interessen der Jungen gezielt anzusprechen. Zudem greift der Ausbau des Projekts "Schulreifes Kind" dort ein, wo sich Entwicklungsdefizite bei Kindern abzeichnen. Diesen kann durch spezielle Fördermaßnahmen wie Sprachförderung, Schulung von Feinmotorik und Übungen zur Stärkung der Konzentrationsfähigkeit rechtzeitig begegnet werden.
Lehrerinnen und Lehrer sind für das Thema "Jungenförderung" sensibilisiert. Zum Bereich "Gender Mainstreaming und Jungenförderung" wurden vom Landesinstitut für Schulentwicklung (LS) mehrere Fachzeitschriften für Lehrkräfte publiziert. Auf der Homepage des LS befinden sich zum Thema "Gender und Lesen" weitere Informationen über wissenschaftliche Erkenntnisse. Außerdem sind auch praktische Beispiele zur Leseförderung von Jungen abrufbar.
Die pädagogischen Entwicklungen in den zurückliegenden Jahren kommen den Bedürfnissen von Jungen entgegen. Der projektorientierte Unterricht ist in allen Schularten und über alle Jahrgangsstufen hinweg verankert worden. Die Möglichkeit, "Bewegten Unterricht" in den Schulalltag zu integrieren, sowie der stetige Ausbau von Grundschulen mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt geben dem geschlechtsspezifischen Bewegungsdrang von Jungen zusätzlichen Raum.
Auch nach Ansicht des Kultusministeriums wäre ein größeres Interesse von Männern am Grundschullehramt wünschenswert. Die in diesem Zusammenhang genannte Forderung nach einer Reform des Besoldungssystems greife jedoch zu kurz. Notwendig sei vielmehr ein tief greifender gesellschaftlicher Wandel in den männlichen Rollenbildern.
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