11. DEZEMBER 2006

Bayerischer Elternverband fordert mehr Geld für Personal und mehr Ganztagsschulen

Der Bayerische Elternverband hat in einer Erklärung ein Umdenken des bayerischen Finanzministers gefordert: "Individuelle Förderung muss vom Lippenbekenntnis zum ernsthaften Ziel der Bildungspolitik werden. Lehrer und Erzieher brauchen Zeit für jedes einzelne Kind, und diese Zeit kostet Geld."

Der BEV führt aus: "Wo Lehrer vor 30 Erstklässlern stehen oder gar noch die Klasse der kranken Kollegin mitbetreuen müssen, können sie sich dem einzelnen Kind nicht widmen. Der Bildungshaushalt muss aufgestockt werden. Es genügt nicht, die knappen Mittel innerhalb des Bildungsetats hin und her zu schieben. Mehr Lehrerplanstellen sind nötig, mehr Stellen für Schulpsychologen, mehr Stellen für Schulsozialarbeit und mehr Stellen für Verwaltungsaufgaben. Dass im Doppelhaushalt 2007/2008 der Bildungsetat sogar schrumpfen soll, lehnen wir ab."

Geld für Bildung müsse als Investition begriffen werden. Lehrer dürften nicht mit dem Argument sinkender Schülerzahlen von den Grund- und Hauptschulen abgezogen werden, da sie dort dringend benötigt würden. Vor allem an den Realschulen, aber auch an vielen Gymnasien seien die Klassen viel zu groß für moderne Unterrichtsformen, hier müssten mehr Lehrer eingestellt werden.

"Immer noch fallen an allen Schulen jeden Tag viele Unterrichtsstunden aus, weit mehr als das Kultusministerium in seinen Erhebungen feststellt", so der Verband weiter. "Immer stärker wird die Kernaufgabe der Schule, der Unterricht, nach draußen verlagert: Sogar Grundschulkinder erhalten heutzutage Nachhilfeunterricht, und für Familien mit Kindern im achtjährigen Gymnasium gibt es kaum noch freie Wochenenden und richtige Ferien. Die Eltern müssen täglich mit den Kindern arbeiten, weil die Schule mit ihrem knappen Personal- und Zeitbudget ohne diese außerschulische Unterstützung längst nicht mehr funktionieren würde. Zum Skandal wird dieses pädagogische Outsourcing für Kinder aus armen und bildungsfernen Familien: Die Eltern können weder Nachhilfeunterricht bezahlen noch selbst beim Lernen helfen. Bildungsgerechtigkeit für diese Kinder und Jugendlichen könnte nur die Schule gewährleisten, schafft das aber wegen ihrer unzureichenden Ausstattung nicht."

Diese Art von individueller Förderung könne eine Gesellschaft nicht wollen, die in wenigen Jahren händeringend gut ausgebildete junge Menschen suchen wird. Kinder und Jugendliche müssen heute optimal gefördert werden, weil sie morgen gebraucht werden. Das sei auf Dauer nur in Ganztagsschulen möglich, weil nur diese in der Lage seien, von der Vormittagspaukschule zur Bildungsschule zu werden, mit dem Wechsel von Spannung und Entspannung, kognitiver und sportlich-musischer Herausforderung und vor allem mit der Möglichkeit zu sozialem Lernen. Der Bayerische Elternverband fordert daher den raschen Ausbau gut ausgestatteter Ganztagsschulen an allen Schularten, mit dem nötigen pädagogischen und nichtpädagogischen Personal.

 

© www.ganztagsschulen.org

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