Bei der Förderung von Jungen, insbesondere aus bildungsfernen Familien, kommt laut des baden-württembergischen Kultusministeriums dem Ausbau der frühkindlichen Bildung eine entscheidende Bedeutung zu. Im Kindergarten und der Grundschule werde das Fundament für eine gelingende Schullaufbahn gelegt. Insbesondere die Ganztagsschule böte zusätzlichen Raum für spezifische Förderangebote.
Einen herausragenden Stellenwert für gleiche Bildungschancen von Jungen und Mädchen hat die Sprachbildung. Es bestehen bereits Angebote zur Sprachförderung im Rahmen der Hausaufgaben-, Sprach- und Lernhilfen (HSL) sowie durch die Landesstiftung Baden-Württemberg. Im neuen Schuljahr startet zudem das Projekt "Schulreifes Kind", das für Kinder mit Entwicklungsdefiziten spezielle Fördermaßnahmen vorsieht. Neben Maßnahmen zur Sprachförderungen gehören dazu beispielsweise die Schulung der Feinmotorik und Übungen zur Stärkung der Konzentrationsfreiheit.
Hinzu kommt der weitere Ausbau von Ganztagsangeboten an Grund- und Hauptschulen mit besonderer pädagogischer und sozialer Aufgabenstellung. Diese eröffnet zusätzlichen Spielraum für gezielte pädagogische Fördermaßnahmen für sozial benachteiligte Jungen. Die pädagogischen Entwicklungen in den zurückliegenden Jahren kommen den Bedürfnissen von Jungen entgegen. Der projektorientierte Unterricht ist in allen Schularten und über alle Jahrgangsstufen hinweg verankert worden. Die Möglichkeit, "Bewegten Unterricht" in den Schulalltag zu integrieren, sowie der stetige Ausbau von Grundschulen mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt geben dem geschlechtsspezifischen Bewegungsdrang von Jungen zusätzlichen Raum.
"Der Ausbau und die Weiterentwicklung der Ganztagsschulen ist ein zentrales Anliegen der Landesregierung in der laufenden Legislaturperiode", betonte Kultusminister Helmut Rau. Ziel ist es, ein bedarfsorientiertes und flächendeckendes Netz an Ganztagsschulen zu schaffen. Etwa 40 Prozent der öffentlichen allgemein bildenden Schulen (Grundschule und Sekundarbereich) sollen innerhalb von neun Jahren als Ganztagsschulen eingerichtet sein. Das Ganztagsschulprogramm der Landesregierung umfasst vier Säulen: Ganztagsschulen in offener Angebotsform, Ganztagsschulen mit besonderer pädagogischer und sozialer Aufgabenstellung, das Jugendbegleiterprogramm und das Bauförderprogramm "Chancen durch Bildung - Investitionsoffensive Ganztagsschule".
Dieses Bauförderprogramm - ein auf neun Jahre angelegtes gemeinsames Programm von Land und Kommunen - soll die Schaffung der erforderlichen Räume für den Ganztagsbetrieb durch die kommunalen Schulträger unterstützen. Derzeit liegen 177 Anträge vor, die sich auf ein Zuschussvolumen von rund 50,1 Millionen Euro belaufen. Die Regierungspräsidien prüfen die Anträge der kommunalen Schulträger zur Förderung der Baumaßnahmen. Für das Jahr 2006 stehen zur Finanzierung von Baumaßnahmen ganztägiger schulischer Einrichtungen Fördermittel des Landes in Höhe von 50 Millionen Euro zur Verfügung.
Derzeit gibt es im Land 616 Ganztagsschulen, davon 465 öffentliche Ganztagsschulen. In dieser Legislaturperiode sollen 200 weitere Hauptschulen und insgesamt 350 Grundschulen mit besonderer pädagogischer und sozialer AufgabensteIlung als Ganztagsschulen eingerichtet werden.
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