In Kürze öffnet der 3. bundesweite Ganztagsschulkongress seine Tore. Welche Akzente setzt der diesjährige Kongress, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in Kooperation mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung veranstaltet? Was erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter dem Motto "Partner machen Schule. Bildung gemeinsam gestalten"? Die Online-Redaktion hat bei den Machern, Beteiligten und Verantwortlichen des Kongresses nachgefragt, welche Ziele und Erwartungen sie mit dem Höhepunkt dieses Jahres verbinden.
Wenn am 22. September 2006 der Startschuss für den 3. bundesweiten Ganztagsschulkongress fällt, haben viele Menschen an unterschiedlichen Orten in Deutschland dafür gesorgt, dass die Bühne bereitet ist, auf der sich die engagierten Praktiker und Theoretiker der Ganztagsschulen über das Thema Kooperationen zwischen Schule und außerschulischen Partnern austauschen.
Der Leitgedanke der Veranstaltung drückt sich in dem Thema des Kongresses aus: "Partner machen Schule. Bildung gemeinsam gestalten". Ganztagsschule kann gelingen, wenn sie gemeinsam mit Partnern gestaltet wird. Da die Partner ein Ensemble der außerschulischen Welt und nicht zuletzt auch einen Spiegel der Gesellschaft darstellen, entsteht etwas Neues, das Synergien freisetzt. "Uns kommt es darauf an, dass die Beteiligten sich mit ihren Ideen und Erfahrungen in den Kongress einbringen", sagt Bettina Bundszus vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Damit der "inhaltliche Austausch" nachhaltig wirkt, sollen die Anregungen des Kongresses "an den Schulen vor Ort umgesetzt werden können", ergänzt Bundszus.
Das Thema Kooperationen scheint gut gewählt zu sein, denn "die Nachfrage ist riesig". Schließlich werden zwischen 1.200 bis 1.400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Berlin erwartet, konstatiert die Programmleiterin der DKJS, Anja Durdel. Es gibt bereits einen Anmeldestopp für alle Länder außer Bayern und Baden-Württemberg, die derzeit Schulferien haben. Denn dieses Jahr hat die DKJS, die für die Organisation des Kongresses verantwortlich zeichnet, einen Länderschlüssel eingeführt, der die Teilnahme kontingentiert und auch denjenigen eine Chance lässt, die ihre Einladung erst nach den Schulferien vorfinden.
Ein Gradmesser für die Bedeutung des Ganztagsschulkongresses ist auch darin zu sehen, dass rund 50 Prozent aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die schon letztes Jahr den Kongress besuchten, auch dieses Jahr wiederkommen würden. Ohne eine Begrenzung der Teilnehmerzahl wäre - Durdel zufolge - sogar mit 5.000 Anmeldungen zu rechnen.
Kooperationen mit Partnern, so sie auf Augenhöhe stattfinden, erfahren ihre Nagelprobe bei der Beteiligung der Kinder und Jugendlichen. Dieser Ansatz kommt in dem Anspruch des BMBF oder der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) zum Ausdruck, die Jugendlichen im Vorfeld des Kongresses "wirksam und nachvollziehbar zu beteiligen", sagt Bettina Bundszus. Auch Dr. Anja Durdel betont die Besonderheit des partizipatorischen Ansatzes auf dem Berliner Ganztagsschulkongress: "Die Gestaltung von Ganztagsschulen unter Qualitätsaspekten kann am ehesten gelingen, wenn man sie von den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler aus mitdenkt."
Große Akzeptanz in den Ländern
Die Akzeptanz des Ganztagsschulprogramms in den Ländern drückt sich ferner darin aus, dass die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan, und die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Ute Erdsiek-Rave, Vorträge zum Thema Kooperation und Bildung als Zukunftschancen halten werden.
Ein Beleg für die Akzeptanz, die die Länder dem Ausbau der Ganztagsschulen entgegenbringen, ist ferner die Präsenz der Staatssekretäre Michael Ebling vom Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend des Landes Rheinland-Pfalz, Kjell Eberhardt vom Thüringer Kultusministerium am Ganztagsschulkongress und des nordrhein-westfälischen Kulturstaatssekretärs Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff. Sie wollen sich am ersten Tag des Kongresses im Forum "Partner machen Schule" mit Praktikern und Theoretikern über die Vielfalt der Kooperationsformen vor Ort austauschen.
Ein Messeplatz für die Länder
Jene Bundesländer, in denen es die "Serviceagenturen Ganztägig lernen" gibt, präsentieren die Entwicklungsschwerpunkte im Ganztag ihres Landes - gemeinsam mit den Ländern, die ähnliche Schwerpunkte haben. Dabei haben sich die Themenfelder Schulentwicklungsberatung (Regionalforum 1), Kooperation (Regionalforum 2) und Partizipation (Regionalforum 3) herauskristallisiert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen zu diesen Themenfeldern jeweils Experten aus den Schulen, aus der Wissenschaft und der Verwaltung mit.
Das Partizipationsforum wird von dem Bundeselternrat und Schülerpartizipationsexperten unterstützt. Dabei gibt es jeweils die Möglichkeit, sich über Zugänge im eigenen und in anderen Ländern zu informieren, über den Tellerrand zu schauen und konkrete Unterstützungsangebote kennen zu lernen. Im Regionalforum 4 "Kulturkooperation" wird in Kooperation mit der PWC-Stiftung die Arbeit des Themenateliers "Kulturelle Bildung" in 5 Bundesländern zur Diskussion gestellt - gemeinsam mit großen Trägern der kulturellen Bildung und den Paxisprojekten, die ihre Kunst beim Kongress präsentieren.
Wie Jugendlichen den Kongress prägen
Die Jugendlichen werden auch in diesem Jahr wieder präsent sein, denn wie schon 2004 und 2005 sollen sich über den Bundesarbeitskreis Jugendbeteiligung rund 100 Jugendliche am Ganztagsschulkongress beteiligen. Sie möchten insbesondere den Gedanken der Partizipation mit Leben füllen und die Menschen vor Ort vernetzen und informieren.
Vernetzen wollen sich die Jugendlichen auf dem Kongress aber auch mit Erwachsenen und gestandenen Experten. "Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung hat den Anspruch, dass die Jugendlichen beteiligt werden und die Leute auf dem Kongress vernetzt werden", sagt die 19-jährige Sappho Beck vom Bundesarbeitskreis. Doch die Jugendlichen werden auch als Moderatoren in den Foren präsent sein. Es ist ein Gebot der Stunde für den 21 jährigen Marco Riedel vom Bundesarbeitskreis, dass die Jugendlichen "auf einer Augenhöhe mit den Erwachsenen zusammenarbeiten" und sich in der Schule und außerschulisch engagieren: "Wenn Schülerinnen und Schüler demokratisches Handeln nicht schon in der Schulzeit und in den Schulen vor Ort lernen, dann nirgendwo."
Zusammenarbeit wirkt nachhaltig
"Zusammenarbeit mit Partnern soll junge Menschen stark machen", findet Petra Thümmel, Kunstlehrerin und Ganztagsbeauftragte an der IGS Stralsund, die zum dritten Mal am Berliner Kongress teilnimmt. "Wir wollen nicht alle Partner ins Boot holen, sondern wir möchten sie gezielt aussuchen." In Regionalforum 1 ("Projekt Ganztagsschule - Schulentwicklung in vier Ländern"), in dem Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Thüringen vertreten sind, möchte sie sich einen Eindruck darüber verschaffen, was andere Länder machen: in der Berufsfrühorientierung oder im Bereich der Zusammenarbeit von Schule mit Senioren.
Neben den 14 Regionalen Serviceagenturen in den Ländern, hat die DKJS auch 22 Kooperationspartner aus Sport, Wissenschaft, Wirtschaft oder Kultur zum Ganztagsschulkongress unter dem Programmpunkt "Kooperation konkret." eingeladen: "Sie werden konkrete Unterstützungsangebote für die Schulen machen", so Anja Durdel. Das diene der "Nachhaltigkeit" der Veranstaltung.
Ein Instrument der Nachhaltigkeit ist auch das Ländergespräch "Qualitätsentwicklung in Ganztagsschulen", an dem Vertreter der Kultusministerien sich mit Experten über die unterschiedlichen Ansätze und Entwicklungen austauschen. Denn die Länder haben - Durdel zufolge - ein Interesse daran, sich über die Qualitätsentwicklung von Ganztagsschulen in ihren Bundesländern auszutauschen.
Ergebnisse und Handlungspläne für die Praxis, so lautet der Tenor der Planer für die Zeit nach dem Ganztagsschulkongress, denn alle wissen: nach dem Ganztagsschulkongress schlägt die Stunde für die Akteure vor Ort.
Autor: Peer Zickgraf
Datum: 05.09.2006
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