Ein Gastbeitrag der Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung: Die vier Gewinner des Kulturpreises MIXED UP 2005 haben es bewiesen: Ganztagsschulen und kulturelle Bildungspartner kooperieren, und sie kooperieren erfolgreich. Um solch gelungene Projekte einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen und um sie für ihr Engagement und ihre Innovationskraft auszuzeichnen, lobt die Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung e.V.(BKJ) im Rahmen des Projektes "Kultur macht Schule" den Kulturpreis MIXED UP aus.
MIXED UP: Dieser Wettbewerb will zum Nachahmen anregen und eine Anerkennung für all diejenigen sein, die sich auf den Weg gemacht haben, gemeinsam die Lern- und Lebenswelten junger Menschen durch ein Bildungsangebot zu gestalten, das auf Qualität und Kreativität gründet. MIXED UP versteht sich als eine Initiative für ein "Mehr an kultureller Bildung" in Ganztagsschulen. Mit Unterstützung durch die Aktion Mensch und der Stiftung Deutsche Jugendmarke e.V. ist es der BKJ auch in diesem Jahr wieder möglich, vier Anerkennungspreise à 2500 Euro zu vergeben.
Ausgezeichnet werden laufende und abgeschlossene Kooperationen, die
- Modell dafür stehen, wie Schulen und kulturelle Partner gut und nachhaltig zusammenarbeiten können;
- beispielhaft sind für ein ganzheitliches Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche, das auch künstlerisch und kulturell ausgerichtet ist;
- zur Vielfalt von Bildungsorten und Bildungssituationen beitragen;
- innovative künstlerische Lern- und Lehrformen beinhalten und fördern;
- Partizipation von Kindern und Jugendlichen arrangieren, individuelle Förderung ermöglichen oder zur sozialen Integration und zu Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen beitragen
Auf der Homepage www.kultur-macht-schule.de. befinden sich alle aktuellen Informationen zur Bewerbung sowie zu den Preisgeldern, Bewerbungsfristen und Teilnahmebedingungen.
Die Preisträger 2005
Bereits im vergangenen Jahr hatte die MIXED UP-Jury, bestehend aus Fachkräften der verschiedenen Kunstsparten sowie aus Schulpädagogen und Schulpädagoginnen und Jugendlichen, die Qual der Wahl: Zahlreiche Träger der Jugendkulturarbeit bewarben sich mit interessanten Kooperationen für den Wettbewerb. Von gemeinsamen Theaterprojekten über Filmworkshops und Big-Bands bis hin zu Skulpturenwerkstätten - die Vielfalt der Kooperationsmöglichkeiten zwischen Ganztagsschulen und kulturellen Partnern spiegelte sich in den Beiträgen deutlich wieder. Alle Kooperationen der Wettbewerbsrunde 2005 wurden auf der Homepage www.kultur-macht-schule.de in einer Projektdatenbank dokumentiert. Vier von ihnen nahmen am 27.10.2005 in Berlin schließlich die Anerkennungspreise entgegen:
Aktion & Kultur mit Kindern (Akki) e.V.: Seit Akki e.V. von montags bis donnerstags für die Bildungs- und Betreuungsangebote im offenen Ganztag von zwei Duisburger Schulen zuständig ist, genießen die Schülerinnen und Schüler ein an Vielfalt kaum zu überbietendes Kulturangebot. In jedem Schuljahr steht der Ganztag unter einem anderen Leitthema. So entstand im ersten Jahr im Rahmen von Tanz-, Musik-, Akrobatik- und Theater-Workshops eine Schulrevue. Zwischen und während der vielen Workshops stehen den Kindern offene Spielbereiche und nicht-themenzentrierte Spiel- und Kreativangebote zur Verfügung. Die teilnehmenden Kinder haben jederzeit die Möglichkeit, sich freiwillig und selbstbestimmt für oder gegen die Mitwirkung an den Angeboten zu entscheiden. Damit lässt Akki "Freiwilligkeit" als ein Prinzip der außerschulischen Jugendarbeit in die Ganztagsschule mit einfließen und schafft es so, den kulturpädagogischen Anspruch in der Schule zu wahren. Derzeitig arbeitet der kulturpädagogische Dienst aus Düsseldorf mit der "GGS Vennbruchstraße" und der "Katholischen Grundschule Fährmannschule" aus Duisburg im Rahmen dauerhaft angelegter Kooperationen zusammen.
Kunstschule Rostock e.V.: Im Wahlpflichtfach "Kinetische Kunst" an der Johann-Wolfgang von Goethe-Schule in Wismar wird so lange entworfen, gebohrt, gebogen, geschweißt und geschliffen, bis sich Schrottmaterial in bewegliche und Klang erzeugende Objekte verwandelt. Dabei entstehen die Schrottgebilde keinesfalls zufällig, sondern auf der Grundlage gut durchdachter, technischer Konzepte. Angeleitet durch ein multiprofessionelles Team aus Künstlern, Kunstpädagogen, Lehrern sowie einem Ingenieur erleben die Jugendlichen in diesem ungewöhnlichen Unterricht, wie Kreativität mit technischem Wissen verbunden werden kann. Sie lernen in der Rolle selbstständiger Akteure durch die Aneignung und Auseinandersetzung mit kreativen Inhalten.
Ins Leben gerufen wurde das Fach "Kinetische Kunst" von der Kunstschule Rostock e.V. in Zusammenarbeit mit dem Technischen Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern. Gemeinsam ist es den Kooperationspartnern gelungen, das außerschulische Bildungsangebot in die Unterrichtsstruktur der Gesamtschule zu integrieren und nicht nur mit dem Kunst-, sondern auch mit dem Physikunterricht fächerübergreifend zu verknüpfen. Schulische und außerschulische Lerninhalte wurden zu einem ganzheitlichen Bildungsangebot zusammengeführt.
Landeszentrum "Spiel und Theater" Sachsen-Anhalt e.V.: Das Landeszentrum "Spiel & Theater" setzt in seinem Projekt "KLaTSch! Kulturelles Lernen an (Off) Theatern und Schulen" auf den ganz persönlichen Kontakt zwischen je einer Schule und einem professionellen Theaterensemble. Im Rahmen der Kooperation mit der Ganztagsschule Wolmirstedt arbeitet die Improvisationstheatergruppe "Hechtsprung" kontinuierlich mit den Schülern und Schülerinnen zusammen. Über die theaterpädagogische Arbeit hinaus begleiteten die Schüler und Schülerinnen der Ganztagsschule "ihr" Ensemble bei Proben und Aufführungen. So erhalten sie Einblick in das konkrete Bühnengeschehen, in Inszenierungsvorgänge sowie in handwerklich-technische Bereiche, in die Öffentlichkeitsarbeit und in die Organisation des Theaters. Der intensive Kontakt mit den Künstlern und Künstlerinnen verleiht dieser Kooperation seine besondere Qualität. Die Workshops mit dem Theaterensemble eröffneten den Kindern und Jugendlichen völlig neue Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten. Gemeinsam mit den Schauspielern und Schauspielerinnen lernen sie, Situationen, Charaktere und emotionale Zustände spontan und situativ in Szene zu setzen. Über das Projekt mit der Ganztagsschule Wolmirstedt hinaus organisiert das Landeszentrum insgesamt 14 Kooperationen im Land Sachsen-Anhalt.
MACHmit! Museum: Das Kindermuseum aus Berlin bot den Schülern und Schülerinnen der Erika-Mann Grundschule zum Start der Kooperation ein besonders außergewöhnliches Projekt: gemeinsam mit der Trickfilmerin Regina Voss und den Museumspädagogen/innen des MACHmit! Museums produzierten die Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Kinderfilm. Bevor die technische Ausstattung des Museums zur Filmproduktion genutzt werden konnte, galt es zunächst einmal, auf einem Storyboard eine spannende Rahmenhandlung für den Film zu entwickeln. Zur Kommunikation lebensweltbezogener Themen wie Freunde, Familie oder Wohnort nutzten die Schülerinnen und Schüler Ausdrucksmöglichkeiten und Techniken, die ihnen normalerweise nicht zugänglich sind. Der Film wurde auf der in großem Stil angelegten Ausstellung "Mein Paradies auf Erden" präsentiert.
Dem Trickfilmprojekt folgten weitere Filmprojekte in der Erika-Mann-Grundschule. Durch die Konzipierung eines "Museumskoffers" für den Unterricht erzielt das MACHmit! Museum über die zeitlich begrenzten Projekte hinaus Nachhaltigkeit in seiner kulturpädagogischen Arbeit. Zudem leistet die Einrichtung einen wichtigen Beitrag zu kultureller Teilhabe und Chancengleichheit der Kinder in Berlin-Wedding.
Autor: Viola Kelb
Datum: 24.02.2006
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