10. NOVEMBER 2005

BKJ-Gastbeitrag: Die kulturelle Vielfalt gestalten

In einem Gastbeitrag berichtet die Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung vom Verlauf und den Ergebnissen ihrer Fachtagung "Qualität von Kooperationen zwischen kulturellen Partnern und Ganztagsschulen" am 27. und 28. Oktober 2005 in Berlin.

Eingeladen zur Fachtagung "Qualität von Kooperationen zwischen kulturellen Partnern und Ganztagsschulen" hatte die Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (BKJ) und die LKJ Berlin. 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus schulischen und außerschulischen Bereichen nahmen an der zweitägigen Veranstaltung im ABACUS-Tierparkhotel teil. Vertreten waren neben Kulturpädagogenen, Künstlern, Wissenschaftlern und Pädagogen ebenso zahlreich Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitungen und Fachkräfte aus Schulverwaltungs- und Schulaufsichtstämtern.

Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Vorsitzenden der BKJ, Prof. Dr. Wolfgang Zacharias, und den Vorsitzenden der LKJ Berlin, Lutz Mannkopf, führte Dr. Wolfgang Mack vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) in das Thema Kooperationen mit Ganztagsschulen aus Sicht der außerschulischen Jugendarbeit ein. Dr. Mack stellte fest, dass die Entwicklung der Ganztagsschule zurzeit eine Entwicklung der offenen Ganztagsschulform sei, in der noch die Betreuungsaspekte dominierten. Die bereits bestehenden Kooperationen von Schulen und Trägern kultureller Bildung müssten in Form und Qualität ausgebaut werden. "Nur so können die besonderen Chancen und Möglichkeiten dieser Kooperationen überhaupt genutzt werden", meinte Mack, der dies mit der Wendung "kulturelle Vielfalt gestalten" auf den Punkt brachte. In der Folge bedeute diese Entwicklung eine Veränderung des Aufgabenspektrums und eine Neudefinition der Aufgaben in Teilbereichen der Jugendhilfe.

Frau Dr. Susanne Keuchel vom Zentrum für Kulturforschung präsentierte erste Ergebnisse ihrer empirischen Studie zur Kooperation von Schulen mit Kultureinrichtungen unter dem Titel "Perspektiven der kulturellen Bildung in Ganztagsschulen - empirische Studien". Die Untersuchung belegt, dass Schulen von den Ressourcen ihrer kulturellen Partner profitieren und ohne externe Partner nur begrenzt Impulse für das Kulturinteresse von Kindern und Jugendlichen vermitteln können. Je mehr "Multiplikationseinrichtungen" wie Schulen, Jugend- und Kultureinrichtungen miteinander kooperieren, desto stärker entfaltet sich das Kulturinteresse junger Leute.

Bedarf nach struktureller Verankerung

Vor diesem Hintergrund stellte Ina Bielenberg, Leiterin des BKJ-Projektes "Kultur macht Schule", die wichtigsten Qualitätsmerkmale für gelingende Kooperationen vor. Welche Bedingungen sind notwendig, damit die Zusammenarbeit zwischen kulturellen Partnern und Ganztagsschulen gelingt und nicht scheitert? Als Antwort auf diese Frage legte Ina Bielenberg elf ausgemachte Qualitätsbereiche ausführlich dar. Als "grundlegend" bezeichnete sie eine gemeinsame Gesamtkonzeption und eine tragfähige Kommunikationsstruktur, die einen Austausch über Bildungsverständnis und Zielformulierung sowie einen kontinuierlichen Informationsfluss in alle Richtungen ermöglicht. Die im Rahmen des Projekts "Kultur macht Schule" aufgestellten Qualitätskriterien bilden die Grundlage für die Erstellung eine Arbeitshilfe für die Praxis, die Kooperationspartner in die Lage versetzen soll, gelingende Kooperationen durchzuführen.

Als Leiterin des GEMINI-Projektes "Politik und Partizipation in der Ganztagsschule" beleuchtete Frau Dr. Helle Becker die Qualitätsfrage von Kooperation vor dem Hintergrund der politischen Jugendbildung. Dabei stellte sie heraus, dass sich die Inhalte der politischen Bildung zwar im Vergleich zur kulturellen Jugendbildung unterschieden, die Gelingensbedingungen der beiden Bereiche jedoch vergleichbar seien. Die anschließende Diskussion mit den vier Referentinnen und Referenten zeigte, dass der Entwicklungsprozess der Ganztagsschulen als Ort für Kooperationen von der schulischen und außerschulischen Fachwelt grundsätzlich angenommen wird. Äußerungen aus dem Publikum verdeutlichten jedoch, dass der Bedarf einer strukturellen Verankerung von Kooperationen groß ist. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer forderten, dass das Gelingen von Kooperationen nicht länger von einzelnen, engagierten außerschulischen Pädagogen und Lehrern abhängen dürfe.

Nicht von "Bildungsungeduld" verunsichern lassen

Am zweiten Kongresstag verdeutlichten die Beiträge von vier Referentinnen aus verschiedenen Perspektiven, dass Netzwerkarbeit einen wichtigen Bereich der Qualitätssicherung von Kooperationen darstellt. Insa Lienemann von der LKJ Niedersachsen gab unter dem Motto "Land in Sicht" insgesamt einen positiven Ausblick auf die Zukunft der Jugendkulturarbeit in Ganztagsschulen. Aus der Sicht der Jugendkunstschulen sprach Mechthild Eickhoff vom "Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen" (BJKE) von "Bildungsungeduld", durch die sich die Kooperationspartner nicht verunsichern lassen dürften. Auch Christiane Krüger vom Verband deutscher Musikschulen (VdM) und Cornelia Schuster von der LKJ Berlin stellten die Bedeutung von landes- sowie bundesweiten Netzwerken für die Qualität von Kooperationen heraus. Im Anschluss an die vier Beiträge zur Bedeutung von Netzwerkarbeit betonten auch die Wortmeldungen des Publikums noch einmal, wie bedeutsam Austausch, Informationsvermittlung und Zusammenarbeit für eine gelingende Kooperationspraxis sind.

Abschließend plädierte Prof. Dr. Max Fuchs, Vorsitzender der BKJ und des Deutschen Kulturrates, für eine offensive Einmischung in den politischen Diskurs um die Entwicklung von Bildung und Schule in Deutschland. Die bisherige Entwicklung der Kooperationen führten laut Fuchs zwar zu einer nüchternen Betrachtung der Situation, die sich aber nicht entmutigend auswirken dürfe. In der Forcierung des politischen Diskurses über eine nachhaltige und zukunftsfähige Bildung sah Fuchs die wichtigste Aufgabe des Dachverbandes der BKJ.

Investition, nicht Subvention

Einen konkreten Praxisbezug erhielt die Fachtagung durch die Preisverleihung des Wettbewerbs MIXED UP 2005. Im Rahmen des Projektes "Kultur macht Schule" war die BKJ dank der Unterstützung durch die Aktion Mensch und die Stiftung Deutsche Jugendmarke e.V. erstmals in der Lage, vier Kulturpreise im Wert von je 2.500 Euro zu vergeben. Die Preisverleihung fand am Abend des 27. Oktober im Anschluss an die Fachtagung statt. Akki e.V. aus Düsseldorf, die Kunstschule Rostock e.V., das MACHmit!-Museum aus Berlin und das Landeszentrum Spiel & Theater Sachsen-Anhalt e.V. wurden für ihre gelungenen Kooperationen mit Ganztagsschulen ausgezeichnet. Dankend nahmen die vier Träger ihre Preise gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Partnerschulen entgegen. Dabei berichteten sie eindrucksvoll von ihren Kooperationsprojekten und bewiesen den Zuschauern, dass Kooperationen auf einer hohen Qualitätsstufe in der Praxis bereits existieren.

Udo Kollenberg vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend überreichte den Preisträgern im Namen der Schirmherrin Renate Schmidt die Urkunden. In seiner Ansprache betonte Herr Kollenberg, dass die Schulen den Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag in Zukunft gemeinsam mit außerschulischen Partnern erfüllen sollten. Dies brauche, so der Ministeriumsvertreter, eine ausreichende Förderung, die nicht als Subvention, sondern als Investition in unsere Kinder und Jugendlichen und damit in die Gesellschaft verstanden werden müsste.

 

Autor: Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung e. V.
Datum: 10.11.2005
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