Im Theater der Grundschule am Hollerbusch hat der mit Spannung erwartete Besuch Platz genommen: Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn und Klaus Böger, Berliner Senator für Bildung, Jugend und Sport, sind am Morgen des 24. August 2005 in die Schule in Berlin-Hellersdorf gekommen, um sich über das Schulprogramm und die Bauarbeiten zu informieren und die geleistete Arbeit der Schulleitung, des Kollegiums und der Eltern zu würdigen.
Eltern machten Druck beim Bezirksamt
Schulleiterin Karin Ronneberger bestätigte in ihrer Begrüßung, dass eine Ganztagsschule "viel Arbeit mit sich bringt. Daher braucht man Lehrerinnen und Lehrer, die ihren Beruf lieben. Ich freue mich, dass an dieser Schule ein sehr engagiertes Kollegium zusammenwirkt." Dies habe sich auch beim gemeinsam bewältigten Umzug in der Vorwoche in das frisch sanierte zweite Gebäude gezeigt.
In den Sommerferien war einer der beiden Plattenbauten der Grundschule vollständig saniert worden: Beim anschließenden Rundgang durch das Gebäude machte es den Eindruck eines Neubaus: Im Erdgeschoss ist eine Mensa entstanden, Fußböden, Tapeten und Toiletten sind neu, ein Aufzug ist angebaut worden, damit auch behinderte Kinder keine Probleme haben, die vier Stockwerke zu erreichen. Des weiteren sind ein Werkraum, Keramiköfen und weitere Aktionsräume entstanden und Internetanschlüsse eingerichtet worden. Insgesamt 1,9 Millionen Euro wurden verbaut. Die Bauarbeiten sind aber noch nicht vorbei: Derzeit wird der Schulhof umgestaltet, unter anderem entstehen Bewegungselemente.
Es war nicht ganz einfach, diese Umbauten auf den Weg zu bringen. Ein Elternvertreter berichtet am Rande, dass das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf sich zunächst gegen die Pläne wendete, da man die zehn Prozent Eigenanteil zu der Förderung von rund 900.000 Euro aus dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) des Bundes nicht aufbringen wollte. "Wir mussten Druck machen und haben auch mit Kontaktaufnahme zu den Medien gedroht", erklärt der Vater. "Nicht für jeden Bereich hat Schule Priorität", klagt Karin Ronneberger.
Zersplitterung am Nachmittag beendet
Der Druck hat sich gelohnt, Haus 2 ist laut der Schulleiterin ein "Schmuckstück" geworden. Die Klassenzimmer sind neu eingerichtet, hell und freundlich. Dem Unterrichtsraum gegenüber liegt jeweils das entsprechende Hortzimmer für den Nachmittagsbereich. "Unterricht und Erziehung sind zwei Seiten einer Medaille und gehören zusammen", so Klaus Böger. Beim Rundgang erhielten Ministerin Bulmahn und der Bildungssenator auch einen Einblick in die Gesundheitsförderung der Klassen während des Unterrichts. Die Lehrerin unterbricht alle 20 Minuten den Unterricht und leitet die Schülerinnen und Schüler zu drei kurzen Bewegungsübungen an. Der Wechsel von Entspannung, Wahrnehmung und Bewegung hilft, die Konzentration und die Beweglichkeit der Kinder zu stärken.
Positive Resonanz aus weiterführenden Schulen
Der Schule sei die Praxisvermittlung und die Vernetzung von Unterricht und Angeboten wichtig. Corinna Zepernick nennt ein Beispiel: "Wenn am Morgen im Sachkundeunterricht die Post zum Thema wird, besucht die Erzieherin mit den Kindern nachmittags die Postfiliale in der Nähe. Unser Konzept einer ganzheitlichen Erziehung kommt sehr gut bei den Eltern an." Die Zusammenarbeit mit den Eltern sei ebenfalls gut, wie sich zum Beispiel bei der Konzeption der Schulhofgestaltung gezeigt habe.
Die Grundschule am Hollerbusch bietet überdies seit vielen Jahren vielfältige zusätzliche Fördermaßnahmen für Kinder mit Lernschwierigkeiten an. Um diese Schülerinnen und Schüler ebenso wie solche mit Entwicklungsvorsprüngen optimal zu fördern, beteiligt sich die Schule seit 1999 am Modellprojekt "Schule in eigener Verantwortung" und führte den 40 Minuten-Takt ein. Die fehlenden fünf Unterrichtsminuten werden angespart und für zusätzliche Unterrichtsstunden genutzt, beispielsweise für klassenübergreifende Leistungskurse in Mathematik, Englisch und Deutsch. Für jedes Fach gibt es drei Kurse mit je zwei Wochenstunden. Zwei Kurse werden für "Mittelfeldschüler" angeboten, ein Kurs für leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler. "Wir möchten unseren Kindern stressfreies Lernen ermöglichen und sie optimal auf die Oberschule vorbereiten", erklärte Karin Ronneberger. Dass dies dem Kollegium gelinge, belege die positive Resonanz, die sie aus den weiterführenden Schulen erfahre.
Neben der Bundesbildungsministerin zeigte sich auch Klaus Böger vom Erreichten an der Grundschule am Hollerbusch beeindruckt: "Man muss nicht nach Finnland reisen, um Beispiele für gute Schulen zu finden - eine Fahrt nach Hellersdorf reicht auch", so der Bildungssenator.
Autor: Ralf Augsburg
Datum: 30.08.2005
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