SOMMER 2005

Zwischen den Schuljahren - Sommeraktion 2005

Sommerferien - Zeit zwischen den Schuljahren. Im August erzählen vier Ganztagsschulen, was das letzte Schuljahr geprägt hat und was das kommende bringen wird. Klaus Hummel, Rektor der Burgschule im baden-württembergischen  Esslingen, Holger Köhler, Büroleiter der Geschäftsführung des Gymnasiums Villa Elisabeth im brandenburgischen Wildau, Schulleiter Peter Biedenweg von der Regionalen Schule Osteeschule Ückeritz auf der Insel Usedom in Mecklenburg-Vorpommern und Schulleiterin Margot Thies von der Ellerbeker Grundschule in Kiel berichten in Interviews über vergangene und zukünftige Projekte.



Burgschule Esslingen

Online-Redaktion:
Herr Hummel, was hat das vergangene Schuljahr für Sie geprägt?


Hummel: Dass wir neu dazugelernt haben. Vor zwei Jahren ist der Ganztag im Grundschulbereich gestartet worden. Hier sammeln wir noch immer Erfahrungen. Im Hauptschulbereich bieten wir im Rahmen unseres Schulprogrammes viele unterstützende Maßnahmen  wie Sprachförderung und Aktionen gegen das Schulschwänzen an. Hier gab es Optimierungsbedarf, sodass wir mit dem Jugendsozialarbeiter und den Freizeitpädagoginnen neue interessante Konzeptionen entwickelt haben, die ab September starten. Dabei geht es auch um eine stärkere Vernetzung mit dem Sozialraum.


Online-Redaktion: Ihre Schule hat Fördermittel aus dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" des Bundes bekommen. Wie haben Sie die Mittel verwendet?


Hummel: Wir haben diese für Sachausstattung gebraucht: In unserer Aula ist eine Bühne mit Beschallungs- und Beleuchtungsanlage errichtet worden. Unsere Schulband kann dort spielen und unsere Theater-AG ihre Aufführungen machen. Der Außenbereich ist mit Niedrigseilelementen, Hochseilanlage und Baumkletterausrüstung sowie einem naturnahen Erlebnispfad für alle Sinne zur Erlebnispädagogik aufgewertet worden. Das Klettern, bei dem man sich aufeinander verlassen muss, ist eine vertrauensbildende Maßnahme. Dazu können die Schülerinnen und Schüler jetzt auch naturnah raus. Die Arbeit am Außenbereich hat eineinhalb Jahre gedauert. Zum Schuljahresende ist sie ihrer Bestimmung übergeben worden.


Online-Redaktion: Was bringt das kommende Schuljahr?


Hummel: Zunächst einmal die Umsetzung unserer neuen Konzepte für Schulverweigerer und Schulschwänzer. Sozialdienst, Sozialarbeiter und Elternvertreter werden dabei die Familien auch zu Hause aufsuchen. Des Weiteren planen wir die Einrichtung einer Bogenschießanlage, deren pädagogische Wirkung klar ist: Es geht darum, ein Ziel vor Augen zu haben. Zur Aufwertung unserer Schule zu einem Lern- und Lebensort gehört auch die Vergrößerung unserer Cafeteria, denn die Nachfrage der Eltern nach Essen für ihre Kinder hat uns sozusagen überrollt. Insgesamt wird viel Phantasie gefordert sein, denn auch der riesige Bedarf nach Ganztagsbetreuung übersteigt bereits unsere Kapazitäten.


Rektor Klaus Hummel ist Fachberater für Ganztagesgrund- und Hauptschulen für das Regierungspräsidium Stuttgart. Seit 1996 gibt es die Ganztageshauptschule, seit 2003 ab der Klasse 1 auch die Ganztagesgrundschule. An allen Wochentagen gibt es ein Betreuungsangebot bis 16 Uhr, die Cafeteria bietet ein warmes Mittagessen (2,00 €) an allen Wochentagen an. In der Grundschule müssen die Eltern für eine Woche im Voraus die Kinder zu Betreuung und Essen verbindlich anmelden. Für die Ganztagesbetreuung bekommt die Schule vom Land eine Lehrerstundenzuweisung von sieben Stunden pro betreuter Hauptschulklasse und zehn Stunden pro Ganztagesgrundschulklasse. Damit werden mit einer erweiterten Stundentafel die Pflichtnachmittage abgedeckt: in der Grundschule zwei Stunden, in der Hauptschule zwei bis drei Stunden. Enthalten sind in diesen Stunden als Pflichtangebot eine KLAG (Klassengemeinschafts-AG), ein fester Klassenrat zusammen mit dem Jugendsozialarbeiter, Lernzeiten (SOL - Selbstorganisiertes Lernen und HAB - Hausaufgabenbetreuung) zur Erledigung unterrichtlicher Aufgaben mit Lehrerinnen und Lehrern, das Angebot "Bilinguale Geographie" in den Klassen 8, 9, 10 und ein abwechslungsreiches Ergänzungsangebot durch AGs in den Bereichen Sport, Erlebnis, Multi-Media, Kreatives, Technik-Elektronik und vieles mehr.

Der Schulträger trägt seinen Teil zur Gestaltung der Ganztagesschule bei: Zum einen durch zusätzliches pädagogisches Personal: Drei Freizeitpädagoginnen für die Grundschule:, zwei Freizeitpädagoginnen für die Hauptschule. Zum anderen durch die Einrichtung einer Cafeteria, die derzeit bis etwa 110 warme Essen täglich ermöglicht, durch Betreuungsräume: Spielothek (für Brettspiele), Bücherei, Aktivraum (Tischtennis und Tanzen), Partykeller, Billardraum (auch mit Tischkicker) und zwei Spielräume für Grundschulkinder sowie einen jährlichen Sachmittelzuschuss von derzeit 5 000 € für die Hauptschule und 5000 € für die Grundschule zusätzlich zum Schuletat.

Mit den IZBB-Mitteln der Bundesregierung 2004 konnte die Burgschule ihre Ausstattung im Betreuungsbereich weiter verbessern, eine Theater - und Musikbühne mit Beschallungsanlage und Beleuchtung einrichten, die Betreuungsräume vernetzen und mit Multi-Media-PCs ausstatten. Bis Juli 2005 wurde aus diesen IZBB-Mitteln die Außenanlage der Schule grundlegend umgebaut: Nach der Entsiegelung des Asphalts entstanden eine Erlebnis- und Bewegungslandschaft, ein Festplatz mit Bühne, ein naturnaher Erlebnispfad für alle Sinne sowie ein Kleinstkinderspielbereich. Für 2005 sind weitere Mittel aus dem IZBB-Programm beantragt für die notwendige Erweiterung der Cafeteria auf den erwarteten Zuwachs an Essen auf mehr als die doppelte Anzahl.








Villa Elisabeth Wildau

Online-Redaktion:
Herr Köhler, was hat das vergangene Schuljahr für Sie geprägt?


Köhler: Besonders unser zehnjähriges Bestehen. Dazu liefen eine ganze Reihe kultureller Veranstaltungen, zu denen die Schülerinnen und Schüler Projekte gemacht haben. Es fand ein großes Fest mit Eltern und Förderern unseres Gymnasiums statt. Das war der Höhepunkt des letzten Schuljahres.


Online-Redaktion: Wie lange ist Ihr Gymnasium schon Ganztagsschule?


Köhler: Das Ganztagskonzept, die Schülerinnen und Schüler hier zu betreuen und ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechend zu fördern, pflegen wir von Anfang an. In den zehn Jahren unseres Bestehens haben wir uns damit einen guten Ruf erarbeitet. Wir arbeiten nach dem studienpädagogischen Prinzip: Bei uns gibt es Blockunterricht für die Sek I von 8.30 bis 15 Uhr und für die Sek II von 8.30 bis 16.40 Uhr. Die Blöcke splitten sich auf in 60 Minuten Vermittlung, eine kleine Pause und dann 40 Minuten von Lehrerinnen und Lehrern betreute Übungsphase. Das hat sich sehr bewährt. Es gibt ein gemeinsames Mittagessen. Für die jüngeren Schülerinnen und Schüler werden nach 15 Uhr auch noch Arbeitsgemeinschaften angeboten.


Online-Redaktion: Bekommen Sie auch Rückmeldungen von ehemaligen Schülerinnen und Schülern, wie es nach Ende der Schulzeit weitergegangen ist?


Köhler: Jedes Jahr im August veranstalten wir zu Schuljahrsbeginn ein großes Sommerfest, zu dem auch alle Ehemaligen, die zugleich Mitglieder des Fördervereins geworden sind, eingeladen werden. Es kommen auch immer sehr viele, so dass wir einen guten Überblick darüber haben, was unsere Absolventinnen und Absolventen machen. Mit Stolz können wir sagen, dass wir inzwischen Studentinnen und Studenten in aller Welt und erfolgreiche Berufstätige haben.


Online-Redaktion: Ihre Schule hat Fördermittel aus dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" des Bundes bekommen. Wie haben Sie die Mittel verwendet?


Köhler: Wir haben zwei Räume unter dem Dach als eine Art Atelier für den Kunstunterricht neu ausgebaut. Das bot sich an, da wir in einem sehr schönen, alten Gebäude mit einem hohen Boden sitzen. Daneben haben wir die Mittel gebraucht, um unsere Außenanlagen ein bisschen auf Vordermann zu bringen. Wir haben einen Sportplatz mit geeignetem Belag zum Basketballspielen errichten lassen. Der Hof ist zu einem Amphitheater umgebaut worden, wo zum Beispiel kleine Theaterstücke aufgeführt werden können.


Online-Redaktion: Was bringt das kommende Schuljahr?


Köhler: Den größten Plan, den wir seit Jahren verfolgen, versuchen wir in diesem Schuljahr zu verwirklichen: Wir möchten eine Schulpartnerschaft mit einer Schule in der Volksrepublik China starten. Zurzeit stehen wir mit einer Schule im Gebiet Shanghai in Verhandlungen. Auch da nutzen wir die Möglichkeiten der Ganztagsschule. Bei uns haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Chinesisch zu lernen. In der Schulpartnerschaft sollen die Jugendlichen die Möglichkeit erhalten, im Austausch zwei, drei Wochen nach China zu fliegen, um dort die Lebensverhältnisse und Probleme der Schülerinnen und Schüler kennen zu lernen.



290 Schülerinnen und Schüler
Schule in freier Trägerschaft
Schulgeldpflichtig
Unterrichtsbeginn 8.30 Uhr
Unterrichtsende 15.00 Uhr oder 16.40 Uhr; freitags 13.30 Uhr
Unterrichtet wird nach dem studienpädagogischen Prinzip - nach wöchentlich wechselnden Schwerpunkten sprachlich-geisteswissenschaftlich oder mathematisch-naturwissenschaftlich.
Die Unterrichtsblöcke von 100 Minuten gliedern sich in Stoffvermittlung/Stoffsicherung und Übungs- bzw. Festigungsphase.
Schriftliche Aufgaben werden in Übungs- und Festigungsphase unter Anleitung des Fachlehrers erledigt; Hausaufgaben im herkömmlichen Sinne gibt es nicht.
Klassenarbeiten und Klausuren werden ausschließlich am Freitag geschrieben.
Der Klausur- bzw. Klassenarbeitsplan wird allen Eltern und Schülern zu Beginn des Schuljahres bekannt gegeben.
Internatsplätze.
Oberstufe: besonderes Profil LK Wirtschaftswissenschaften.
20 Schüler pro Klasse.








Ostseeschule Ückeritz

Online-Redaktion:
Herr Biedenweg, was hat das vergangene Schuljahr für Sie geprägt?


Biedenweg: Mit Sicherheit der Abschluss der Bauarbeiten an unserer Schule. Am 18. Dezember 2004 haben wir zusammen mit dem mecklenburg-vorpommernschen Bildungsminister Hans-Robert Metelmann unsere Schule unter dem neuen Namen Ostsee-Schule eröffnet. Seitdem besitzen wir ein saniertes und ein neues Unterrichtsgebäude, die beide zusammengeschlossen hervorragende Unterrichtsbedingungen bieten.


Diese wollen wir nun auch dazu nutzen, den Ostsee-Raum zu entdecken. Wir pflegen bereits intensive Beziehungen mit einem Gymnasium in Miedzyzdroje, einem großen polnischen Seebad, das man von unserem Strand aus auf der Nachbarinsel Wollin sehen kann. Wenn unsere Partnerschaft noch enger geworden ist, wollen wir uns gemeinsam eine Partnerschule in Schweden suchen und so nach und nach rund um die Ostsee gehen.


Online-Redaktion: Ihre Schule hat Fördermittel aus dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" des Bundes bekommen. Wie haben Sie die Mittel verwendet?


Biedenweg: Die gesamte Bausumme teilt sich in zwei Hälften: Einmal die IZBB-Mittel und zum zweiten ein vom Kommunalen Aufbaufond des Schweriner Innenministeriums geförderter Kredit. Insgesamt handelte es sich um drei Millionen Euro. Davon haben wir einen Neubau errichten und Sanierungsarbeiten leisten lassen. Es sind eine Aula, eine Lehrküche, ein Schülerclub, ein Schülerbistro, eine Schülerbibliothek mit Hausaufgabenzimmer, ein Schülerfunk und ein als Markt genutztes Schülerfoyer entstanden. Momentan laufen noch einige kleine Nacharbeiten, aber insgesamt hat sich schon alles gut eingespielt, und wir fühlen uns wohl. Wenn man die Schule betritt, geht man über eine Landungsbrücke - unser Schulkonzept heißt "Gemeinsam an Bord gehen."


Ich fühle mich inzwischen fast wie ein Museumsführer, so viele Leute habe ich schon durch unsere Schule geführt. Und draußen stehen Urlauber, die reinschauen und sagen: "Das kann doch keine Schule sein." Ich bin richtig stolz. Wenn Sie in unsere hellen, freundlichen und lichtdurchfluteten Räume kommen, vermuten Sie tatsächlich nicht, in einer Schule zu sein - und das sollte auch so sein.


Online-Redaktion: Haben Sie und das Kollegium die Schule planen können?


Biedenweg: Wir haben die Planung keinem Architekten überlassen, sondern gemeinsam ein pädagogisches Konzept erarbeitet. Wir haben richtig gesponnen, wie wir uns eine gute Schule vorstellen, und sind erst dann mit unseren Plänen zu einem Architekten gegangen. Mit dem haben wir über eineinhalb Jahre nächtelang debattiert und gestritten. Wichtig war uns dabei, dass Kunst und Funktionalität gleichberechtigt nebeneinander stehen. Es hat sich wirklich gelohnt. Hier hat jeder Raum seine Funktion, und die Realschulprüfungen als kleiner Meilenstein der Logistik haben gezeigt, wie gut alles gelungen ist. Ich bin richtig begeistert. Dass hier so etwas Tolles entstehen konnte, ist wirklich nicht selbstverständlich, denn dieser Landstrich bekommt normalerweise wenig an Fördermitteln ab.


Online-Redaktion: Was bringt das gerade begonnene Schuljahr?


Biedenweg: Eigentlich dachte ich, der Aufbau dieser Schule sei Lebensaufgabe genug. Dass das nicht stimmt, habe ich schon während der Bauarbeiten gemerkt. Schule beschränkt sich ja nicht allein auf das Gebäude. Nach der groben konzeptionellen Arbeit mit dem pädagogischen Programm und den Leitlinien müssen wir diese jetzt verfeinern. Wir sehen jetzt, was noch zusätzlich machbar ist. Ganz groß geschrieben wird in diesem Schuljahr also die Fortschreibung unseres Schulprogramms, zu der sich die Lehrerinnen und Lehrer wieder für ein paar Tage während der Ferien zurückziehen werden. Eine Überlegung wird dabei auch sein, ob wir von der offenen zur gebundenen Ganztagsschule wachsen wollen.


Sehr wichtig ist uns, dass sich die Schülerinnen und Schüler mit ihrer Schule identifizieren und mit Optimismus in die Zukunft sehen. Damit verbunden ist unser Plan, unsere Schüler für den gesamten Ostsee-Raum zu begeistern, damit sie die Angst vor dem Fremden verlieren und später vielleicht auch mal im Ausland arbeiten. Da bestehen Chancen, die man heute noch gar nicht so recht ergründen kann.


Zum Dritten möchten wir unser Schulprofil als Schmiede des Mittelstandes schärfen. Wir wollen nicht als Schule für Schülerinnen und Schüler gelten, die das Gymnasium nicht schaffen, sondern als Schule, deren Schüler für den Mittelstand ausgebildet werden. Deshalb knüpfen wir enge Beziehungen zur Wirtschaft, die uns auch deutlich sagt, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sie von unserer Schülerschaft erwarten. Darauf stimmen wir unsere schulinternen Lehrpläne ab.

Ostsee-Schule Ückeritz:
Regionale Schule Klasse 5 - 10
Offene Ganztagsschule
255 Schülerinnen und Schüler
80 Prozent der Schülerschaft nutzen den Ganztagsbereich
Angebote sind u.a. Aerobic, Handball, Chor, Badminton, Basketball, Homepagebau, Computer, Berufsfrühorientierung, Schach, Golf, Kochen, Standardtänze, Hausaufgaben, Förderstunden





Ellerbeker Grundschule Kiel

Online-Redaktion:
Frau Thies, was hat das vergangene Schuljahr für Sie geprägt?



Thies: Zu diesem Schuljahr ist die aus zwei Schulen bestehende Ellerbeker Schule - einer Grundschule und einer Schule für Geistigbehinderte - zu einer Schule zusammengelegt worden. Nun sind hier zwei Schularten unter einem Dach unter einer einzigen Leitung vereint. Planungen für die Zusammenlegung, durch die auch die Grundschule zu einer offenen Ganztagsschule geworden ist, standen besonders im Vordergrund.


Online-Redaktion: Wie ist es zu der Vereinigung gekommen?


Thies: Die Schule für Geistigbehinderte befindet sich seit 25 Jahren im selben Gebäude, und im Laufe der Zeit ist hier eine enge Kooperation entstanden. Nach dem Weggang der Schulleiterin der Grundschule habe ich auch die Grundschule zunächst kommissarisch geleitet, bis dann auf Wunsch der Eltern und der Schulkonferenz die beiden Schulen zusammengelegt worden sind. Die verschiedenen Gremien der Stadt und des Landes wie Ratsversammlung, Schulausschuss und Schulamt haben das sehr befürwortet.


Online-Redaktion: Findet der Unterricht jetzt gemeinsam statt?


Thies: Es handelt sich hier weiterhin um zwei Schularten mit ihren eigenen Lehrplänen. Integrationsklassen, in denen Kinder mit Förderbedarf integriert werden, gab es schon seit vielen Jahren. Ebenso gab es schon immer gemeinsame Arbeitsgemeinschaften und Jahreszeitenfeste. Jetzt verfügt man aber natürlich über größere Chancen, zusammen etwas zu machen, und wir haben das gemeinsame Angebot besonders im Nachmittagsbereich ausgeweitet. Die Resonanz ist sehr gut: Die Warteliste der Schule für Geistigbehinderte können wir gar nicht abarbeiten. Für Geistigbehinderte gibt es ja nur wenig Freizeitmöglichkeiten. Aus der Grundschule nehmen etwa 60 Kinder und aus der Schule für Geistigbehinderte etwa 70 Schülerinnen und Schüler am Ganztagsangebot teil.


Online-Redaktion: Was spielte neben der Organisationsplanung noch eine Rolle?


Thies: Die Schulkonferenz hat die Einführung der Ganztagsangebote beschlossen. Außerdem wurden Elternabende durchgeführt und der Ganztagsschulbedarf mittels Fragebögen abgeklärt. Außerdem mussten wir die Finanzierung der Angebote klären und sichern.


Es ist zum Beispiel eine integrative Betreuungsgruppe entstanden, die durch Landeszuschüsse finanziert wird: Hier werden Grundschüler und Kinder, die integrativ an der Grundschule lernen, an fünf Tagen von zwölf bis 15 Uhr betreut: Es gibt Mittagessen, Hausaufgaben- und Freizeitbetreuung. Diese Gruppe ist neu und wurde ebenfalls im vergangenen Schuljahr geplant.


Beim Raumkonzept haben wir gemerkt, dass wir an Grenzen stoßen: Es können noch immer nicht alle Grundschüler am Mittagessen teilnehmen. Dies führte zu unseren Antrag zum Bau einer Mensa, wobei wir auf Bundesmittel hoffen.


Online-Redaktion: Von diesem Antrag abgesehen, hat Ihre Schule aber auch schon Fördermittel aus dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" des Bundes bekommen. Wie haben Sie die Mittel verwendet?


Thies: Wir haben den Schulhof und den Gartenbereich neu gestaltet, Freizeitmaterialen und Computer angeschafft, den Essraum eingerichtet. Schon bewilligt ist auch ein Gerätehaus, in dem zum Beispiel kleine Fahrzeuge aufbewahrt werden können.


Online-Redaktion: Was bringt das gerade begonnene Schuljahr?


Thies: Wir müssen jetzt erst mal sehen, wie sich alles einspielt, denn es ist ja sehr viel Neues dazugekommen. Wir überlegen aber auch, wie wir das ausbauen können. Seit diesem Schuljahr besteht eine Kooperation mit einem Sportverein, und wir erhalten Zuschüsse vom Landessportverband. Unser Wunsch ist es, noch mehr Kooperationspartner für die Nachmittagsangebote zu finden, möglichst Einrichtungen der Jugendhilfe und aus dem Umfeld der Schule. Dies ist deshalb nicht einfach, weil die Landeszuschüsse nicht ausreichen, um die Projekte mit den Kooperationspartnern zu finanzieren. Da wir hier am Ostufer Kiels in einem sozialen Brennpunkt liegen, hat aber auch die finanzielle Beteiligung der Eltern oft enge Grenzen. Und angeworbene Stiftungen, die sich hier bei uns engagieren, tun dies immer nur für einen begrenzten Zeitraum.




Ellerbeker Grundschule
Offene Ganztagsschule
Schule für Geistigbehinderte: 115 Schülerinnen und Schüler
ca. 50 Mitarbeiter/innen(Sonderschullehrer/innen, Fachlehrer/innen, Erzieher/innen, Heilpädagogen/innen, Zivildienstleistende, Kinderpflegerinnen)
Grundschule: 118 Schülerinnen und Schüler, 8 Lehrerinnen und Lehrer
16 Angebote am Nachmittag, u.a.: Freizeitangebote innerhalb der Schule und im Stadtteil, integrative Projekte wie Turnhallenzirkus, Basketball, Tanz in Zusammenarbeit mit einer Tanzschule, Fußball, Computer-AG, Physik-AG