Wer wird High-Tech-Gründer des Jahres 2005? Bis zum 12. Mai konnten Schülerinnnen und Schüler als junge virtuelle Unternehmer aus ihren Ideen solide Geschäftspläne schmieden. Am 9. Juni 2005 werden die zehn besten Teams nach Berlin eingeladen. In einem Gespräch mit der Online-Redaktion erläutert Dr. Barbara Burkardt-Reich, weshalb der Wettbewerb und die Themen des Online-Planspiels gerade für Ganztagsschulen geeignet sind.
Online-Redaktion: Mehr Zeit und Verantwortung an Ganztagsschulen: Gibt es eine Verbindung zwischen selbstständigem Lernen und der Bereitschaft von Schülerinnen und Schülern ein Unternehmen zu gründen?
Burkhardt-Reich: Es ist sicher schwierig, einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen selbstständigem Lernen und der Bereitschaft, ein Unternehmen zu gründen, herzustellen. Wichtig ist für mich der bildungspolitische Auftrag Schülerinnen und Schüler fit für die Arbeitswelt der Zukunft zu machen. Dabei wird es entscheidend sein, Kompetenzen zu vermitteln, die dazu führen, dass jeder ein Unternehmer seiner selbst ist, sein Leben selbst in die Hand nehmen kann und sich dabei immer weiterbilden kann. Wenn dies dann später in eine Selbstständigkeit führt – um so besser.
Online-Redaktion: Wie wirkt unternehmerisches Handeln in Schülerfirmen oder im Online Planspiel von "Jugend gründet" auf die Lernkultur zurück?
Burkhardt-Reich: Die Erfahrungen mit Schülerfirmen, aber auch mit Planspielen wie "Jugend gründet" zeigen, dass Schülerinnen und Schüler sich in dem Moment hoch motiviert mit bestimmten – zum Teil auch komplexen Themen – auseinandersetzen, wenn dies zur konkreten Problemlösung beiträgt. Plötzlich wird die Anwendung klar, und dann ist auch die Bereitschaft vorhanden, Lernfelder anzugehen, die vorher gemieden wurden.
Online-Redaktion: Und "Jugend gründet" will die Schülerinnen und Schüler im High-Tech-Bereich fit machen?
Burkhardt-Reich: "Jugend gründet" will Schülerinnen und Schüler motivieren, innovative Ideen im High-Tech-Bereich zu entwickeln und sich darin zu bewähren, solche Innovationen als Geschäftsidee in ein florierendes Unternehmen zu einbringen. "Jugend gründet" ist eine Kombination aus Ideenwettbewerb, Unternehmensplanspiel und E-Learning. Damit entspricht dieser bundesweite Wettbewerb modernen und schülergerechten Lehr- und Lernformen.
Online-Redaktion: Werden Ganztagsschulen demnächst zur Schmiede erfolgreicher Start-Up-Unternehmen?
Burkhardt-Reich: Das ist sicher nicht der Anspruch von Ganztagsschulen. Aber Ganztagsschulen bieten die Möglichkeit – aufgrund des umfangreicheren Zeitrahmens –, projektorientiertes Lernen stärker zu fördern und damit auch Impulse zu setzen für unternehmerisches Handeln. Ich bin überzeugt, dass zukünftig die Berufsorientierung und die Berufsvorbereitung an allen Schulen mehr Raum einnehmen werden. Ganztagsschulen können hier eine Vorreiter-Rolle einnehmen.
Online-Redaktion: Sie haben einen bundesweiten Wettbewerb ins Leben gerufen. Welche Impulse gehen davon für die Ganztagsschulen aus?
Burkhardt-Reich: Die Teilnahme an "Jugend gründet" kann als Projekt in den Unterricht oder den AG-Bereich eingebunden werden. Mit den E-Learning-Modulen können Schülerinnen und Schüler sich selbstständig betriebswirtschaftliche Grundlagen erarbeiten. Lehrerinnen und Lehrer können auf vorgefertigte Unterrichtseinheiten zurückgreifen. Der Impuls für die Ganztagsschulen liegt darin, wirtschaftsnahe Themen und unternehmerische Fragestellungen aufzugreifen, ohne dafür gleich ein eigenes Fach einrichten zu müssen. Planspiele eignen sich ausgezeichnet, um für bestimmte Themen zu sensibilisieren, ohne dass Vorkenntnisse vorhanden sein müssen.
Autor: Peer Zickgraf
Datum: 17.05.2005
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