Online-Redaktion: Dr. Rolle, was ist das Sozialpädagogische Institut?
Rolle: Das SPI existiert als Landesinstitut für Kinder, Jugend und Familie seit 25 Jahren. Wir sind 1979 im Jahr des Kindes von der nordrhein-westfälischen Landesregierung mit dem Auftrag gegründet worden, für den gesamten pädagogischen Bereich außerhalb der Schule Materialien zu entwickeln und ihn dadurch fortzuentwickeln. Im Zuge der Verwaltungsstraffung der Landesregierung gehören wir als Fachinstitut mit recht gutem Namen seit knapp zwei Jahren zur Fachhochschule Köln. Unsere Forschung geht damit auch in die Lehre ein.
Online-Redaktion: Wie sind Sie mit dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" involviert worden?
Rolle: Das SPI hat den Forschungsschwerpunkt "6- bis 14-jährige Kinder" und dort speziell den Bereich der Horte. Vor drei Jahren organisierten wir ein großes Pilotprojekt, bei dem wir die gesamten pädagogischen und rechtlichen Bestimmungen aller Bundesländer zum Thema "Betreuung von Schulkindern außerhalb der Schulzeit" zusammengefasst haben. Dieses Mammutwerk von rund 2.500 Seiten haben wir zu einem Schulkinder-Server umgebaut, über den das Bundesbildungsministerium auf uns aufmerksam worden ist. Als dann das IZBB aufgelegt wurde, fragte das Ministerium bei uns an, ob wir unsere Erfahrungen zur Verfügung stellen wollten.
Das Institut hat dann einen Projektantrag gestellt, der sich eigentlich auf die noch zu entwickelnden Konzeptionen in den Ländern konzentrierte. Unser Auftrag bestand darin, die verschiedenen Konzepte, wie man pädagogisch mit den Kindern arbeitet, und die Richtlinien und Erlasse der Länder zum Aufbau der Ganztagsschulen zu sammeln und auszuwerten. Damit sollten wir zum Multiplikator werden, da die Ergebnisse von uns ja auch fortlaufend veröffentlicht werden. Man kann dann in Verbindung mit den "Best Practice"-Beispielen auf dem "Ganztägig lernen"-Server der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung sehen, welche verschiedenen Konzeptionen gut funktionieren und welche weniger. Dieses sehr schöne Projekt ist dann auch so genehmigt worden.
Online-Redaktion: Sie sammeln aber doch auch die Zahlen der mit IZBB-Mitteln geförderten Schulen für das Ministerium? Wie kam es dazu?
Rolle: Das Ministerium fragte, ob wir uns zusätzlich vorstellen könnten, aufzuschlüsseln, wo welche Mittel abgerufen würden. Wir sagten zu, und unsere Wissenschaftliche Mitarbeiterin Astrid Le Rest, eine Datenspezialistin, hat Unterlagen entwickelt, die zweimal im Jahr den Ländern zugehen. Die Länder melden hier, wie die Mittel verwendet worden sind. Das ergibt einen Riesenmoloch von Zahlen und eine Heidenarbeit, zumal die Definitionen vor Ort oft unterschiedlich sind. Das fängt bei der in den Ländern unterschiedlichen Vergabe von Schulnummern an.
Online-Redaktion: Was können Sie den Zahlen denn entnehmen?
Rolle: Es ist möglich, punktgenau dem Bürger zu sagen, hier bei uns vor Ort ist diese Menge an Finanzmitteln in diese oder jene Maßnahme geflossen, es ist diese Anzahl von Plätzen für Schulkinder geschaffen worden und es haben sich diese oder jene pädagogischen Formen entwickelt.
Online-Redaktion: Wie kommen Sie an die Zahlen?
Le Rest: Bei der ersten Datenerhebung zur vorläufigen Vorhabenplanung, die damals noch vom Bundesbildungsministerium initiiert wurde, zeigte sich beim Rücklauf, dass durch unterschiedliches Ausfüllen in den Ländern eine manuelle Bearbeitung der Fragebögen notwendig wurde. Von uns ist daraufhin ein neuer elektronischer Erhebungsbogen entwickelt worden, der etwas starrer ist und im Mai versandt wurde. Die Daten konnten dann nach vielen Rücksprachen mit den Länderkolleginnen und -kollegen zum Stichtag 30. Juni 2004 erfasst werden. Ich habe eine Datenbank entwickelt und kann über diese die gezielten Auswertungen laufen lassen.
Da die Länder unterschiedlich arbeiten - Stichwort Schulnummern - ist ein manueller Datenabgleich aber weiterhin erforderlich. Auch deshalb, weil schon ein Leerzeichen zu viel oder eine unterschiedliche Schreibweise des Schulnamens zu Ungereimtheiten führen können.
Online-Redaktion: Lief der Kontakt zu den Ländern nur über das Einsammeln der Bögen?
Le Rest: Nein, wir waren hier auch eine Anlaufstelle für die Anfragen aus den Ländern. Wenn es inhaltliche Fragen wie zum Beispiel um Dienstleistungspauschalen ging, mussten wir an das Ministerium verweisen, aber bei technischen Anfragen und Ergänzungswünschen bezüglich der Fragebögen haben wir geantwortet. Auch wenn es die vorhin erwähnten Ungereimtheiten bei den Schulnummern oder -namen gab, mussten wir uns telephonisch mit den Ländern abstimmen. Diese Zusammenarbeit im Dreiecksverhältnis mit dem Bund und den Ländern hat sehr gut funktioniert.
Online-Redaktion: Kontrollieren Sie denn, ob die Ihnen gemeldeten Zahlen auch stimmen?
Rolle: Zunächst mal ist es nicht unsere Aufgabe, die Zahlen oder Fördersummen zu kontrollieren, sondern die Angaben der Schulinformationen, zum Beispiel Schulname, Träger, Ort und Förderalternative. Bei der Vielzahl der Daten dürfte es indes jedem schwer fallen, die gemeldeten Zahlen zu kontrollieren. Es gibt aber bestimmte Verfahrenswege vor Ort, um Mitnahmeeffekte auszuschließen. Der Schulträger, der das Geld beantragt, muss ja auch immer ein pädagogisches Konzept des Ganztagsschulangebotes vorlegen. Dieses pädagogische Konzept muss dann auf kommunaler Ebene und von dem zuständigen Kultusministerium genehmigt werden.
Online-Redaktion: Aus manchen Ländern oder von manchen Politikern ist dennoch des öfteren zu hören gewesen, dass die von Ihnen erhobenen Daten nicht stimmen würden.
Rolle: Wir verarbeiten nur die Angaben, welche die Länder uns liefern.
Online-Redaktion: Die Länder widersprechen sich selbst?
Le Rest: Teils, teils. Beim letzten Ländertreffen am 9. September in Berlin haben wir die Zahlen den Ländern präsentiert, und ein Land zweifelte seine Zahlen an. Dieses Missverständnis ergab sich auf Grund des Antragsverfahrens. Das IZBB ist im letzten Jahr gestartet, die teilweise dort schon beantragten Mittel fließen aber erst in diesem Jahr. Das Bundesbildungsministerium möchte nun die Zahlen für alle im Jahr 2004 tatsächlich geförderten Schulen haben, manche Länder zählten einige Schulen aber zum Jahr 2003 hinzu, da die Antragstellung da erfolgt war. Wir haben nun Doppelungen herausgenommen und die in den jeweiligen Jahren tatsächlich geförderten Schulen gezählt. Die genauen Abgleiche der Daten konnten wir im Ländergespräch klären.
Online-Redaktion: Da die Länder zweimal im Jahr Zahlen liefern, haben Sie im Sozialpädagogischen Institut auch so etwas wie eine Art Saisongeschäft?
Le Rest: Ja, das ist richtig. Zum Stichtag 31. März 2005 werden die Länder die nächste Vorläufige Vorhabenplanung abgeben. Diese nennt die Schulen, die 2005 Gelder bekommen sollen. Zum 30. Juni 2005 kommt dann die Endgültige Vorhabenplanung. Gleichzeitig wird zu diesem Termin ein Jahresbericht über das vergangene Jahr eingereicht: Dort bilanzieren die Länder, was 2004 wirklich an Mitteln in welche Schulen geflossen ist, ob damit Ausstattungen, Neubauten oder Renovierungen finanziert und wie viele neue Ganztagsschulplätze genau geschaffen worden sind. Dies sind dann noch mal detaillierte Angaben zu jeder Schule.
Online-Redaktion: Wie viele Mitarbeiter sind bei Ihnen mit diesem Projekt befasst?
Rolle: Es sind fünf Personen, die sich zweieinhalb Vollzeitstellen teilen. Ich bin dabei den Kollegen sehr dankbar, weil sie die Aufgaben mit einem hohen Einsatz weit über ihrer eigentlichen Stundenzahl gemeistert haben. Die Erstellung des Fragebogens, die Erhebung der Daten, die Auskunft für die Länder per Telephon, wie die Bögen richtig auszufüllen seien, gleichzeitig die Anforderungen aus Berlin, so schnell wie möglich die Zahlen bereitzustellen, bis zu nächtlichen Anfragen nach Tabellen bei Frau Le Rest - das war schon ein ziemlicher Kraftakt. Ich hoffe, dass es nach der Anlaufphase mit der Einführung der Bögen jetzt zwar noch Arbeitsspitzen geben, der Arbeitsanfall ansonsten aber normalisieren wird.
Le Rest: Wir wissen jetzt, worauf es ankommt, wo es unter Umständen Schwachstellen geben kann und worauf wir zu achten haben. Auf Grund dieser Erfahrung werden wir zukünftig die möglichen Fehlerquellen natürlich viel gezielter erfassen können. Darüber hinaus kennen wir nun die Auswertungserfordernisse des IZBB und können daher bei der nächsten Runde in Vorleistung gehen. Was immer bleiben wird - und darüber muss man sich im Klaren sein: Wenn man anständige Daten liefern möchte, müssen sie immer inhaltlich geprüft werden. Ein entsprechender Mitarbeiterstamm ist für diese Arbeiten daher notwendig.
Rolle: In den letzten Monaten ist sehr viel Arbeitskraft durch die Mittelabfrage gebunden worden. Im Team sind wir uns darüber einig, dass es daneben aber noch die genauso wichtige Aufgabe gibt, die pädagogischen Konzeptionen und Richtlinien zu dokumentieren und auszuwerten. Dies wollen wir wieder gleichgewichtig verfolgen.
Autor: Ralf Augsburg
Datum: 01.10.2004
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