Nach wie vor herrschen große Unterschiede zwischen den alten und neuen Bundesländern was die Ganztagsangebote im Primarbereich anbetrifft. Zu diesem Ergebnis kommt der nun von der Bertelsmann-Stiftung vorgestellte Länderreport "Frühkindliche Bildungssysteme 2011". Danach nutzten in den ostdeutschen Bundesländern Anfang 2010 rund Dreiviertel aller Grundschulkinder (75,4 Prozent) ein Ganztagsangebot. In den westdeutschen Ländern waren es dagegen 21,4 Prozent.
In jedem ostdeutschen Bundesland besuchten Anfang 2010 mehr als 60 Prozent der Grundschüler eine Ganztagsschule. In Berlin liegt der Anteil bei 70 Prozent. Niedriger fallen die Werte in den anderen westdeutschen Bundesländern aus: Hamburg (48 Prozent), Bremen (37 Prozent), Saarland und Nordrhein-Westfalen (jeweils 29 Prozent), Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Hessen (jeweils 24 Prozent), Bayern (16 Prozent), Niedersachsen (15 Prozent) und Baden-Württemberg (13 Prozent).
Grundlage der Auswertungen sind Daten der statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik sowie der Kultusministerkonferenz des Jahres 2010 sowie einer Befragung aller zuständigen Fachministerien der Bundesländer durch die Bertelsmann-Stiftung. Die Berechnungen hat der Forschungsverbund Deutsches Jugend-Institut/TU Dortmund durchgeführt.
Mit den Worten: "Wir brauchen in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Ganztagsschule", kommentierte Jörg Dräger, das für Bildung zuständige Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, die Auswertung. Ein verlässliches Ganztagsangebot verbessere die Bildungschancen der Kinder und für die Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Baden-Württembergs Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer räumte ein: "Gerade bei den Ganztagsangeboten an den Grundschulen müssen wir aufholen." Da immer mehr Eltern für ihre Kinder die ganztägige Betreuung in den Kindertagesstätten in Anspruch nehmen würden, drohe beim Übergang zur Grundschule ohne Ganztagsangebote eine Betreuungslücke. Sie kündigte für ihr Land an: "Alle Grundschulen, die das wollen, können bis 2020 zu Ganztagsschulen werden." Für 2012/2013 plane das Kultusministerium die Verankerung der Ganztagsschule im Schulgesetz.
Als wissenschaftlichen Beleg dafür, dass das Saarland beim Ausbau der Ganztagsangebote große Fortschritte erzielt habe, wertet der dortige Kultusminister Klaus Kessler die Bertelsmann-Erhebung. "Darüber hinaus ist das Saarland eines der wenigen Bundesländer, in denen es verbindliche Qualitätsvorgaben beispielsweise für die Gruppengröße und die Qualifikation des Personals gibt", fügte er hinzu. Er verwies darauf, dass zu Beginn des Laufenden Schuljahres das Platzangebot an Freiwilligen Ganztagsschulen um 3.300 auf nunmehr 19.300 erhöht worden sei.
Autor/in: Stephan Lüke
Datum: 23.12.2011
© www.ganztagsschulen.org
Die Übernahme von Artikeln und Interviews - auch auszugsweise und/oder bei Nennung der Quelle - ist nur nach Zustimmung der Online-Redaktion erlaubt. Wir bitten bei Zustimmung um folgende Zitierweise: Autor/in: Artikelüberschrift. URL: http://www.ganztagsschulen.org. Datum des Zugriffs: xx.xx.xxxx