"Ganztagsschule verändert" lautete die Überschrift, unter der der 8. Ganztagsschulkongress in Berlin stattfand. Passend zum Titel gab es am 4. November 2011 im Kuppelsaal des Berliner Congress Centrums eine VeränderBAR. Hier trafen sich bei Getränken und Hintergrundmusik Teilnehmer und Experten zu offenen Gesprächen.
Das Veranstaltungsformat VeränderBAR zog insbesondere jene der 1200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, die sich abseits der vielen Workshops und Vorträge Gesprächspartner zu eigenen Fragen suchten. Jugendengagement im Ganztag, Demokratie in der Schule und Vorbehalte von Eltern gegen Ganztagsschule waren drei der Themen, zu denen sich an den Stehtischen Kongressbesucher einfanden. Daraus einige Akzente:
Schülerin Tomke Malin Krohne appellierte dafür, sich klar zu machen, dass Schule diejenige Institution ist, durch die alle Menschen irgendwann einmal gehen. Viel stärker als bisher sollte sie doch dazu genutzt werden, Demokratie zu lernen und zu üben. "Ganztagsschule als Plattform für Demokratie. Das ist es doch! Das ist überhaupt die genialste Idee, seit es Demokratie gibt", warf sie in die Runde.
Wie man engagierte Schüler unterstützen und weniger engagierte motivieren kann, diese Frage trieb eine Lehrerin um, die sich über Engagement von Jugendlichen in der Schule unterhalten wollte. Mit Vincent Steinl, Gastgeber der VeränderBAR, und Christian Hahn, Programmleiter von "Think Big", einem Projekt der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, fand sie die richtigen Experten für ihr Anliegen. Deren Tipp: Nicht nur auf die Mitwirkungsgremien setzen, sondern Engagement überall dort aufgreifen, wo es sich zeigt. Gremienarbeit würde viele Schüler eher abschrecken. Aber sie seien bereit, sich für vieles einzusetzen, was sie stört. "Machen statt Meckern", laute die Devise. Und weil das leichter gesagt als getan ist, gibt es entsprechende Angebote für die Schulen.
Dazu gehören etwa die SV-Seminare zur Vorbereitung und Unterstützung der Arbeit als Schülervertreter, die die Stiftung anbietet. Für die Frage nach der grundsätzlichen Aktivierung empfehlen die Experten sogenannte Aktivierungsworkshops, die im Rahmen des Projektes "Think Big" der Stiftung in den Schulen selbst stattfinden und für diese kostenlos sind. Worum es dabei genau geht? Darum: Wie komme ich von der Idee zum Projekt? Wer hilft bei Schwierigkeiten? Wie fühlt sich Erfolg an? Mit einem Block voller Notizen dankte die Pädagogin für Anregungen und Tipps.
Zwei Tische weiter war das Thema Eltern in den Fokus der Gespräch gerückt. Hier zeigte sich, dass die Lehrerinnen und Lehrer in der Runde drei Fraktionen von Eltern kannten: Diejenigen, die aus Gründen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf den Ganztag brauchen. Solche, die dem Ganztag skeptisch gegenüberstehen, weil sie nicht mehr wissen, was ihre Kinder machen, insbesondere, welche Hausaufgaben sie aufhaben. Hinzu kommen Eltern, die einen hohen Anspruch haben und den Ganztag mit bestmöglichem Schulerfolg und individueller Förderung ihrer Kinder gleich setzen.
Die Veranstaltungen des 8. Ganztagsschulkongresses sind hier dokumentiert.
Autor/in: Inge Michels
Datum: 04.11.2011
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