Qualitätsentwicklung ist eine Daueraufgabe
In Nordrhein-Westfalen ist die überwiegende Mehrzahl der über 3.000 Ganztagsschulen als Offene Ganztagsschulen organisiert, also mit dem additiven Angebot einer Nachmittagsbetreuung nach dem Vormittagsunterricht und einem Mittagessen. Die Gestaltung der Bildungsarbeit ist hier eine besondere Herausforderung, da nicht alle Schülerinnen und Schüler die Angebote am Nachmittag wahrnehmen und Teams unterschiedlicher Professionen gemeinsam Konzepte und Angebote entwickeln, Kinder und Eltern beteiligen sowie die Verzahnung des unterrichtlichen mit dem außerunterrichtlichen Bereich initiieren. Wobei diese Kooperation von Schulleitung und Kollegium mit pädagogischen Partnern noch nicht an allen Schulen zufriedenstellend entwickelt ist.
Die Qualität im Ganztag weiterzuentwickeln ist daher eine Daueraufgabe und verlangt einen strukturierten Teamdialog. Hierfür bietet QUIGS entsprechende Materialien: Module mit Qualitätsaspekten, die von allen pädagogischen Fachkräften und den Lehrkräften im Sinne eines Qualitätschecks bearbeitet werden.
Etwa 30 Prozent der Offenen Ganztagsgrundschulen in Nordrhein-Westfalen - so das Ergebnis der wissenschaftliche Begleitung der Wilhelms-Universität in Münster - arbeiteten mit der ersten Version von QUIGS. Über 300 Personen nahmen an den von der Serviceagentur angebotenen Fortbildungen zur Anwendung dieses Qualitätssicherungssystems teil. Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ließen sich zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Fortbildung und Fachberatung ausbilden.
Verständigungsprozesse zwischen den Professionen verbessern
Die Rückmeldungen der Moderatorinnen und Moderatoren aus den Schulen und Kommunen über die Arbeit mit QUIGS flossen in die von einem Team der Serviceagentur unter Leitung von Birgit Schröder und Herbert Boßhammer gemeinsam mit Prof. Dr. Stephan Maykus konzipierte Neuauflage ein. "QUIGS 2.0 ist anwendungsfreundlicher als QUIGS 1.0. Es enthält für den Einstieg kurze und übersichtliche Checklisten", erläutert Birgit Schröder. "Für den Ersteinstieg und für die vertiefende Beschäftigung mit der Qualität in den Ganztagsschulen gibt es je nach Bedarf differenzierte Module."
Die wichtigsten Indikatoren für die Qualität in Ganztagsschulen finden sich in den elf pädagogischen Arbeitsbereichen im Modul "Pädagogische Konzepte weiterentwickeln", in denen die im Vor- und Nachmittag relevanten Aspekte fokussiert werden. Dies dient dem Ziel, Verständigungsprozesse zwischen Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften zu verbessern. Bei der Bearbeitung des neuen Moduls "Handlungsbedarf ermitteln" findet eine Kommunikation der unterschiedlichen Professionen über die gemeinsame Qualitätsentwicklung als Schulentwicklung statt. Es gibt darüber hinaus neue und klare Hinweise zu Organisation und Inhalten einer gemeinsamen Qualitätsentwicklung im Ganztag.
Die Checklisten in den Modulen "Rahmenbedingungen optimieren" und "Pädagogische Konzepte weiterentwickeln" können durch die vorgenommene Veränderung des Dateiformates problemlos den Erfordernissen vor Ort angepasst werden.
Neue Materialien und Module
Für den speziellen Einsatz des Qualitätsentwicklungsinstrumentes liegen verschiedene Anleitungen vor: eine Kurzinformation in Form eines Plakates, eine kurze Handreichung für die Praxis und eine ausführliche Handreichung für die Moderation.
QUIGS 2.0 besitzt im Unterschied zu QUIGS 1.0 neue Materialien wie die symbolisierte Kurzfassung für die Anwender, das Heft 13 in der Reihe "Der GanzTag in NRW" für Ganztagsschulen mit CD in Print- und Online-Version, ein umfassendes Moderatorenhandbuch für Fortbildungen ausschließlich in Online-Version, aber zum Ausdrucken, methodische Anregungen, ein QUIGS-Qualitätstableau und einen Informations-Flyer.
Das Plakat gibt eine kurze Übersicht über die einzelnen Handlungsschritte und führt schnell zur konkreten Umsetzung in der Praxis. Die vorliegende Handreichung für die Praxis ist als Heft 13 in der Reihe "Der Ganztag in NRW" - Beiträge zur Qualitätsentwicklung erschienen. Die Handreichung für Moderatoren ist für die Fort- und Weiterbildung konzipiert und enthält ergänzende Informationen über die Qualitätsentwicklung im Ganztag. Zusätzlich finden Interessierte dort vielfältige methodische Anregungen für die Fortbildung.
Tandem für dialogische Qualitätsentwicklung
Anhand von Checklisten beurteilen die Teams aus Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften die Rahmenbedingungen und ihre pädagogische Arbeit. Zu den Rahmenbedingungen finden sich Checklisten in den Modulen "Ist-Stand überprüfen" und "Rahmenbedingungen optimieren". Eine Vertiefung ist durch das Hinzuziehen der originalen Checklisten aus QUIGS möglich. Für die Auswahl der pädagogischen Arbeitsbereiche im Modul "Pädagogische Konzepte weiterentwickeln" sind kurze und spezifische Checklisten für die beiden beteiligten Professionen erstellt worden. Die Arbeit in den Teams orientiert sich an den erweiterten Checklisten in diesem Modul.
In Iserlohn bieten Petra Ninnemann, Beraterin im Ganztag für den Märkischen Kreis und Leiterin der Grundschule Sümmern, und Jana Marek, die Fachberaterin für Ganztagsschulen der Stadt Iserlohn, im Rahmen des Qualitätszirkels der Serviceagentur regelmäßig Fortbildungen zum Thema Qualitätsentwicklung und dem Umgang mit QUIGS 2.0 für Schulleitungen und Leiterinnen der Offenen Ganztagsgrundschulen an, um die eigenverantwortliche pädagogische Arbeit in den Schulen zu unterstützen.
Um diesen Teamdialog zu vertiefen, hat das Iserlohner Tandem zusätzlich die dialogische Qualitätsentwicklung eingeführt. Die beiden Fachfrauen beraten und begleiten Schulen bei der Umsetzung. Das Tandem des Qualitätszirkels bietet zusätzlich Fortbildungen zum Management im Ganztag sowie EDV-Schulungen an.
Brücken zwischen Vor- und Nachmittag
An der Hagener Janusz-Korczak-Schule arbeiten im Team pädagogische Fachkräfte der Offenen Ganztagsschule, vier Lehrkräfte mit insgesamt zwölf Stunden und die Schulleitung mit. Man verabredete zunächst regelmäßige, möglichst monatliche Treffen im Umfang von zwei Schulstunden. Nach einer Einführung in die Arbeit mit QUIGS folgte die Bestandsaufnahme: "Was leisten wir bereits im Vormittags- und im Nachmittagsbereich?"
Dann konzentrierte sich das QUIGS-Team auf den ersten pädagogischen Arbeitsbereich "Sprache und Kommunikation fördern". Es formulierte ein Handlungsziel "Verbesserung der Sprachfähigkeit und Kommunikation durch die Arbeit mit den Lernkisten" und ermittelte den Handlungsbedarf "Austausch und Anschaffung von besonders geeigneten Materialien zur Sprachförderung".
Die Umsetzung folgte in folgenden Handlungsschritten: Man bestimmte feste Ansprechpartner für das Thema, stellte sich gegenseitig vorhandene Materialien vor, fand einen Aufbewahrungsort, legte ein Ausleihsystem an und bestellte Material nach. Die Lernkisten mit Materialien zur Sprachförderung für den Nachmittagsbereich wurden zusammengestellt. Das Material lernen die Lehrkräfte und außerschulischen Pädagoginnen nun in gegenseitigen Hospitationen kennen, auch um das Material in konkreten Situationen anzuwenden. Darüber hinaus soll eine Form der Dokumentation über die Lernfortschritte der Kinder gefunden werden.
Schulleiterin Maike Petersen zieht ein vorläufiges Fazit der bisherigen Arbeit mit QUIGS: "Wir haben weitere Brücken zwischen dem Vormittags- und Nachmittagsbereich geschlagen und das OGS-Team ist enger zusammen gewachsen - auch deshalb, weil das Verständnis für die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen zugenommen hat. Die Fortsetzung der Arbeit mit QUIGS sehen wir alle als zwingend erforderlich an." Nicht verschweigen wolle sie allerdings, dass die zeitlichen Ressourcen für diese Arbeit immer wieder nur schwer gefunden werden können.
Autor/in: Ralf Augsburg
Datum: 09.11.2010
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