Vier Jahre nach dem Start der Qualitätsoffensive Hauptschule in Nordrhein-Westfalen zogen rund 300 Vertreter aus Schule und Wirtschaft auf dem Hauptschulkongress im Signal-Iduna-Park eine positive Zwischenbilanz und diskutierten über aktuelle Herausforderungen und zukünftige Perspektiven. Nach Fachvorträgen und einer Podiumsdiskussion präsentierten Hauptschulen, wie sie die Qualitätsoffensive in der Praxis umsetzen.
Schulministerin Barbara Sommer erklärte zum Auftakt des Kongresses: "Die Hauptschule ist eine tragende Säule des gegliederten Schulsystems. Sie leistet eine hervorragende Arbeit. Sie ist vielfältiger und lebendiger, als so manch ein Besserwisser wahrhaben will. Die Hauptschule zeichnet sich durch eine gezielte Förderung der Basiskompetenzen und eine intensive Berufsvorbereitungaus. Damit ist sie für sehr viele Kinder ein hervorragender Förderort. In kleinen Einheiten werden Schülerinnen und Schüler persönlich betreut und individuell gefördert. Mein Fazit lautet: Die Qualitätsoffensive wirkt."
Dr. Hans-Jürgen Frost, Vorstandsmitglied der Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände NRW, sagte: "Fast alle Hauptschulen in Nordrhein-Westfalen pflegen Kontakte zu Unternehmen. Davon profitieren die Schülerinnen und Schüler. Denn im Dialog mit den Unternehmen kann die Berufsorientierung entscheidend verbessert werden. Die unternehmerische Wirtschaft bietet der Hauptschule ihre Hilfe für Kooperationen an. Neben unseren Arbeitskreisen SCHULEWIRTSCHAFT und unserem neuen MINT-Netzwerk für Hauptschulen mit den Schwerpunkten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind es vor allem Tage der offenen Tür, Betriebserkundungen, Praktika, auch Langzeitpraktika, Materialien für den Unterricht oder auch Planspiele."
Auch der ehemalige Dortmunder Fußballprofi Norbert Dickel setzt sich für Hauptschüler ein: "Die Qualitätsoffensive macht die Hauptschulen stark. Das ist eine wichtige Aufgabe für die ganze Gesellschaft. Hauptschüler sind viel zu lange vernachlässigt worden. Dass der Hauptschulkongress im größten deutschen Fußballstadion stattfindet, ist das richtige Signal." Norbert Dickel ist Stadionsprecher und Eventmanagerbei Borussia Dortmund und hat außerdem eine eigene Initiative gestartet, um Hauptschülern den Übergang in den Beruf zu erleichtern ( www.platz-da.com). Dickel ist außerdem Mitglied im Beirat der Qualitätsoffensive Hauptschule. Dem Gremium, das die Umsetzung der Qualitätsoffensive konstruktiv begleitet, gehören 23 Vertreter aus Wirtschaft, Handwerk, Schule, Elternvereinen, Wissenschaft, Verbänden und Kirchen an.
Die Qualitätsoffensive verfolgt das Ziel, die Hauptschule als allgemeinbildende und auf eine Berufsausbildung vorbereitende Schule deutlich zu stärken. Ein wichtiger Baustein der Qualitätsoffensive ist der Ausbau des Ganztagsbetriebs. Seit 2006 haben sich 230 Hauptschulen in erweiterte Ganztagsschulen umgewandelt. Hinzu kommen 106 Ganztagshauptschulen, die bereits länger bestanden. Damit ist heute fast jede zweite Hauptschule in Nordrhein-Westfalen eine Ganztagshauptschule. Wo Hauptschulen im Ganztagsbetrieb geführt werden, sind die Anmeldezahlen stabil. Die Übergangsquote von der Grundschule zu erweiterten Ganztagshauptschulen stieg im Jahr 2008 von drei auf fünf Prozent.
Die Maßnahmen zur Stärkung der Hauptschule sind vielerorts erfolgreich. Dies belegen die Auszeichnungen, die nordrhein-westfälische Hauptschulen bei bundesweiten Schulwettbewerben wie zum Beispiel "Starke Schule" erhalten. 2009 gewann die Hauptschule Coerde aus Münster hier den zweiten Preis.
Die guten Ausbildungschancen von Hauptschülern werden durch die Handwerksstatistik des Westdeutschen Handwerkskammertags untermauert. Demnach entfiel die Hälfte aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge des Jahres 2007 auf Absolventinnen und Absolventen mit Hauptschulabschluss.
Weitere Informationen zum Kongress: www.qo-hauptschule.nrw.de
Zur Umfrage "Stimmungsbarometer Hauptschule" des Verbandes Bildung und Erziehung erklärt Schulministerin Barbara Sommer: "Wir nehmen das Stimmungsbild ernst, auch wenn es nur rund fünf Prozent aller Lehrerinnen und Lehrer an Hauptschulen abdeckt. Es war uns von Anfang an klar, dass es ein langer und beschwerlicher Weg ist, die Akzeptanz der Schulform Hauptschule in der Öffentlichkeit zu verbessern. Wenn man sich die Ergebnisse der VBE-Umfrage im Detail ansieht, kann man ein sehr differenziertes Bild erkennen. So sieht eine deutliche Mehrheit der befragten Lehrer die Profilierung auf Berufsorientierung und Lebensvorbereitung positiv."
Die Statistiken belegten, dass diejenigen Hauptschulen, die sich an der Qualitätsoffensive beteiligten und im Ganztag geführt würden, stabile Anmeldezahlen hätten. Dies zeige, dass die Maßnahmen langsam, aber sicher ankämen und angenommen würden.
Sommer weiter: "Uns geht es nicht um Strukturen, sondern uns geht es um die Schülerinnen und Schüler, welche die Hauptschulen besuchen. Ihnen helfen wir nicht weiter, wenn wir Türschilder austauschen oder große Lernfabriken schaffen. Ihnen helfen wir durch mehr Ganztag, mehr Berufsorientierung und mehr individuelle Förderung."