Erstmalig konnten die Besucherinnen und Besucher des Ganztagsschulkongresses in einem Online-Blog ihre Meinung zu den Vorträgen und Diskussionen, Redebeiträgen und der Ausstellung vortragen. Was der Blog an Anregungen, Reaktionen und Impressionen zusammengetragen hat, lesen Sie in dieser Dokumentation.
In eigenen Worten
11.09.2008 | 19:30 Uhr von der Redaktion
"Partizipation", lautet das Motto des 5. Ganztagsschulkongresses 2008. Was liegt da näher, als die Teilnehmerinnen und Teilnehmer direkt zu Wort kommen zu lassen? Diese Möglichkeit bietet "Eigenwort - der Blog vor Ort" und Sie sind herzlich eingeladen, diese offene und unmittelbare Art der Teilnahme für sich zu nutzen.
"Eigenwort" eröffnet diese Einladung mit Beiträgen eines Teams von Schülerinnen und Schülern, die ausdrücklich zu Kommentaren und Stellungnahmen auffordern. Ihre Stimme ist uns wichtig!
Nutzen Sie ohne Scheu die Möglichkeiten des Blogs. Schreiben Sie uns, was Sie auf dem Kongress als Lehrerin oder Lehrer, aus dem Blickwinkel der Schulleitung, der Elternschaft oder der Bildungsforschung, als Schülerin oder Schüler erfahren und lernen.
Bitte kennzeichnen Sie Ihre Kommentare namentlich. Haben Sie auch Verständnis dafür, dass Beiträge, die diskriminierend oder beleidigend sind, ohne weitere Angabe von Gründen gelöscht werden.
Der Blog zum 5. Ganztagsschulkongress ist bis Montag, den 15. September für Ihre "Partizipation" geöffnet. Alle Inhalte bleiben anschließend als Teil der Dokumentation im Ganztagsschulportal unter www.ganztagsschulen.org offen einsehbar. Die Blog-Funktionen werden jedoch deaktiviert.
Erste Eindrücke
12.09.2008 | 11:53 Uhr von Robert
Schülerschaft, Lehrerschaft, Politiker und Schulleiter wuseln durcheinander. Der Kongress begann mit wichtigen, schweren Worten von Annette Schavan und Eva Köhler. Eine Gruppe Siebtklässler aus Kreuzberg schaffte mit einem Tanztheater das meiner Meinung nach nötige, spielerische Gegengewicht. Bisher bleiben die beteiligten Gruppen, also Pädagogen und Schüler unter ihres gleichen. Das Servicepersonal ist schwarz gekleidet und scheinbar überall. Der Luxus, mein Glas wo auch immer hinstellen zu können, im Wissen, dass es wenige Sekunden später wieder weggeräumt sein wird, verleitet dazu, es häufiger als nötig zu tun. Schräg gegenüber vom Kongressgebäude steht ein rosa Klotz im Blickfeld der Kongressbesucher, die frische Luft schnappen oder rauchen wollen. Der rosa Klotz ist das Einkaufszentrum "Alexa", eine Zumutung für alle schönheitsliebenden Menschen. Ich hoffe alle Horizonte werden erweitert und freier.
Im Kuppelsaal
12.09.2008 | 12:55 Uhr von Ilenia
Ich fand den musikalischen Einstieg im Kuppelsaal toll, denn zur klassischen Musik erzählte eine Frau eine Geschichte. Es ging um einen Pinguin. Anschließend fanden die Reden der einzelnen Personen statt. Am Ende wurde es etwas anstrengend zuzuhören, denn es war sehr eintönig. Kurz darauf präsentierten Siebtklässler einen Tanz. Am besten gefiel mir der Auftritt der kurz vor Schluss stattfand - und zwar ein vorgelesener Theaterauftritt. Ich fand es witzig, weil ich mich an meine Schule erinnern konnte.
Hierzu ein Kommentar
Hans-Jürgen Kütbach, Bürgermeister sagt:
12.09.2008 | 17:16 Uhr
Finde diese Zusammenfassung sehr treffend, so unterschiedlich sind die Wahrnehmungen also nicht. Beeindruckt hat mich das "bunte Durcheinander", nur so kann Kreatives und Neues entstehen. Bin auf Ergebnisse gespannt.
Reporterinterviews
12.09.2008 | 13:50 Uhr von Mauricio
Mir ist aufgefallen, dass im Berliner Congresscentrum (BCC) Reporterinterviews eine große Rolle spielen. Hier laufen aus verschiedenen Bundesländern Reporter und Schüler herum. Ich finde interessant, wie Schüler ihre Schulen in Interviews darstellen. Das kann mal lustig sein oder auch zum Nachdenken anregen. Es geht dann um Partizipation. Und genau das wollen wir erfahren!
Wir Blog-Redakteure im Interview
12.09.2008 | 15:08 Uhr
Wir, das sind die Schüler: Patricia Lachmann (14), Ilenia Carrera (15), Mauricio Pereira Cardoso (14) von der IGS (Integrierte Gesamtschule) Kastellstraße in Wiesbaden (Hessen).
In einem Workshop wurden wir als Blog-Redakteure geschult. Dort haben wir die ersten Schritte gelernt. Schon am Freitag Nachmittag wurden wir interviewt und gefragt, wie wir unsere Schule vertreten. Darunter fiel die Frage "warum wir hierher gekommen sind". Wir fühlten uns sehr selbstsicher, da wir mit dem Thema vertraut waren. Wir antworteten: "Weil unsere Schule eine Ganztagsschule einführen will." Für uns ist wichtig, dass der Unterricht nicht eintönig ist, und dass es viel Abwechslung gibt".
Und jetzt geht es los, dass wir selber interviewen. Wir werden immer aktiver. Bis gleich, see you later, ate depois, ciao a dopo!
Weil Pubertät schwierig ist.
12.09.2008 | 18:06 Uhr von Robert
"Party-Zipation - Partizipation und Pubertät" hieß ein eben von mir besuchter Workshop. Problemstellung schien die Entwicklung junger Menschen, verknüpft mit der Beteiligung am schulischen Leben und Erleben zu sein. Zuerst wurden Phasen der Pubertät dargestellt: Über die Vorpubertät, zur Pubertät bis hin zur Adoleszenz, so definiere die Entwicklungspsychologie die Phasen. Ein paar knappe Worte zu Bedürfnissen, Problemen und Lösungen sollten dann in die Gruppenarbeitsphase führen. Die Teilnehmer, zu 80 Prozent erwachsene Menschen, schienen von dieser Art der Arbeitsgestaltung schon gelangweilt oder überfordert: Einige verließen den Raum.
Die Gruppenphase bestand daraus, die Bedürfnisse und Probleme zu definieren und Lösungen zu suchen. Aber wo liegt denn das Problem? Die Referenten schafften es, Pubertät als Lebensphase so stark zu problematisieren, teilweise sogar zu exotisieren (sprich fremder und unbekannter zu machen), dass nur noch die Kapitulation vor dem Gegenstand übrig blieb. Pubertät ist schwierig. Das ist ein Allgemeinplatz.
Aber was bleibt übrig nach dem Erhöhen und schwieriger Machen? Alle Menschen durchleben diese Phase. Jugendliche Pubertierende sind "normale" Menschen. Sie haben "normale" Bedürfnisse: Liebe, Erfahrungen machen, Sexualität, Abenteuer, whatever. Der Workshop führte aber in eine Sackgasse der Verzweiflung: Teenager in meiner Arbeitsgruppe charakterisierten sich und ihre Artgenossen als scheinbar so schwierige Fälle, dass nicht mehr übrig blieb als Allgemeinplätze. Lösungen wie Mitspracherecht, Kommunikation und Partizipation blieben Schlagwörter.
Warum nicht einfach die Pubertät als die normalste Sache der Welt begreifen? Eine Phase des Menschenlebens, die nicht nur Probleme und noch mehr Probleme schafft, sondern als Chance zu begreifen ist. Selten in ihrem Leben machen sich Menschen mehr Gedanken über ihre Mitmenschen und Umwelt, als in der Pubertät. Das ist richtig, wichtig und gut so.
Wir haben Filme geguckt
12.09.2008 | 18:26 Uhr von Franziska
Wir gucken gerne Filme. Wir sehen am liebsten Reportagen, Spielfilme und Horrorfilme. Ein Film der uns gut gefällt ist "Keinohrhasen", weil er sehr witzig und romantisch ist. Die Filme, die wir zum Ganztagsschulkongress im Filmraum geschaut haben, waren dagegen sehr unterschiedlich, denn es ging um Partizipation der Schüler/innen. In dem ersten Film, "Eine Schule zieht um, alle ziehen mit!" ging es um die Zukunftswerkstatt als Methode der Schulentwicklung. Das war zwar sehr informativ, aber dieser Film hat nicht zu unseren eigenen Vorstellungen gepasst.
Im zweiten Film ging es um eine 4.Klasse, die in einer Projektwoche selbstständig gearbeitet hat und sich zu einem Thema, das sie sich selber aussuchen konnten, Gedanken gemacht hat. Wir waren begeistert von dieser Selbstständigkeit einer 4.Klasse. Der dritte Film den wir geguckt haben war für uns nicht so zutreffend, weil er eher für Kinderprojekte geeignet war. Es ging um den Neuaufbau eines Kindergartenspielplatzes, bei dem die Kindergartenkinder selbst mitbestimmen konnten.
Der beste Film, den wir bis jetzt geguckt haben, war "Die Kleinen mit den großen Blättern. Die Zeitung in der Grundschule" von Paul Schwarz . Dieser Film zeigte Grundschülern, die durch das Arbeiten mit Zeitungen, zum Beispiel durch die Auseinandersetzung mit Artikeln mehr über die Welt erfahren. Alles in allem hat man durch die Filme viele neue Ideen gezeigt bekommen und sich darüber Gedanken machen können.
Julia Meißner (15) und Franziska Beruda (15).
Sascha Wagner im Rampenlicht
12.09.2008 | 18:39 Uhr von Ilenia
Sascha Wagner arbeitet im BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) als Sachbearbeiter. Er betreut Projekte im Bereich Ganztagsschulen. Aber ist das auch schon alles? Wir haben ein Interview geführt, das noch mehr Persönliches von ihm zeigt.
Redaktion: Herr Wagner Sie stehen heute im Rampenlicht und wirken zufrieden: Sind sie zufrieden?
Wagner: Ja, es macht mir hier Spaß, weil es sehr abwechslungsreich ist, und es viele nette Leute gibt.
Redaktion: Wie viel Geld wird im Ganztagsschulprogramm zur Verfügung gestellt?
Wagner: Vier Milliarden Euro, stellt das Investitionsprogramm Zukunft Bildung und Betreuung, kurz IZBB, für den Ausbau der Ganztagsschulen zur Verfügung.
Redaktion: Welche Hobbies haben sie?
Wagner: Mein Hobby ist lesen.
Redaktion: Bleibt bei Ihrem Beruf noch Zeit für Familie?
Wagner: Ja, man kann sich das so einrichten.
Redaktion: Wir bedanken uns für das Interview. Tschüss.
Wagner: Kein Problem, Tschüss.
Eröffnung im Kuppelsaal
12.09.2008 | 18:50 Uhr von Stefanie
Nach einer langen Anreise mit Verspätung kamen wir endlich im Berliner Kongresszentrum an. Im Kuppelsaal eingetroffen konnte es nun losgehen. Wir wurden dann auch gleich mit einem musikalischen Entree begrüßt. Als nächstes hörten wir die Ehefrau des Bundespräsidenten Horst Köhler, Eva-Luise Köhler. Sie sprach über Ganztagsschulen du ihre Ansichten und Interesse, wie man Schulen verbessern könnte. Nach einem tosenden Applaus wurde die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, als nächstes begrüßt. Sie unterrichtete uns über freiwillige Freizeitangebote, die Akzeptanz von Schülern gegenüber Lehrern, die auf Taten beruhten.
Weiteres folgt demnächst von: Sophie Basedow, Katrin Günl und Stefanie Halle
Fortsetzung zur Eröffnung im Kuppelsaal
13.09.2008 | 10:20 Uhr von Stefanie
Nun folgte eine aufregende Rede von Annegret Kramp-Karrenbauer, der Ministerin für Bildung, Familie, Frauen und Kultur des Saarlandes. Das Programm fuhr mit einer lustigen, spannungslösenden Lesung fort mit Corinna Harfouch und Ulrich Matthes. Nachdem alle herzlich gelacht haben, folgten noch einige andere Impulsgespräche unter anderem mit der Geschäftsführerin der Deutschen Kinder und Jugendstiftung.
Danach kam ein Kurzfilm zur Preisverleihung des Wettbewerbs 2008 und es folgte die Vorstellung von zwei Praxisobjekten der Wettbewerbsschulen mit kurzem Gespräch auf der Bühne. Jetzt konnten alle in einer Mittagspause entspannen. Sie konnten sich die verschiedene Ausstellungen der Projekte anschauen oder ins Kino gehen.
Später folgten die Arbeitsphasen mit verschiedenen Workshops und Diskussionsforen. Der nervenraubende Tag wurde erfolgreich mit einem leckeren Abendbrot abgeschlossen. Wer noch Lust hatte, sah sich einen Kabarettisten an bzw. einen Zirkusauftritt, tanzte zur Musik mit oder genoss einfach die Atmosphäre.
Verfasst von: Sophie Basedow, Katrin Günl und Stefanie Halle.
Unsere ersten Eindrücke in Berlin
13.09.2008 | 10:46 Uhr von Franziska
Da wir aus dem kleinen überschaubaren Dessau kommen, waren wir sehr erstaunt über die Größe Berlins. Als wir nach fast zwei Stunden Fahrt mit dem Zug angekommen sind, wollten wir uns sofort auf dem Weg zu unserem Gästehaus machen. Doch als wir vor dem Hauptbahnhof standen, hatte uns ein junger Mann angesprochen, ob wir nicht mit seiner Rikscha mitfahren wollen.
Wir waren von der Idee sofort begeistert. Da er uns einen super günstigen Preis vorgeschlagen hat, konnten wir dieses Angebot nicht ablehnen. Trotzdem hatten wir eher Bedenken ob wir alle drei mit unserem Gepäck in die recht kleine Rikscha reinpassen würden. Zum Glück lief alles gut und wir haben uns sehr wohlgefühlt. Er erzählte uns, dass er vor ein paar Wochen Tokio Hotel in seiner Rikscha herumgekutscht hat und Bill sich die Haare an den Türen eingeklemmt hat. Uns ist es zum Glück nicht passiert!!
Wir waren mit unserer Klasse schon sehr oft in Berlin, aber immer nur an den Orten die unsere Lehrer für wichtig hielten. Der junge Mann zeigte uns viele Orte, die unsere Klasse bestimmt auch gerne gesehen hätte. Wir waren beeindruckt von dem erhalten gebliebenen Teil der Berliner Mauer, die wir sonst nur aus dem Fernsehen oder aus den Geschichtsbüchern kennen. Nach dieser kurzen Stadtrundfahrt brachte er uns mit langen Umwegen zu unserem Gästehaus. Durch die Rikschafahrt haben wir einen ganz neuen Eindruck von Berlin bekommen und hätten viel Lust, auch so eine schöne Entdeckungsfahrt mit unserer Klasse durch Berlin zu veranstalten.
Wir sind Julia Meißner (15) und Franziska Beruda (15)
.nur die Wurst hat zwei.
13.09.2008 | 13:02 Uhr von Robert
Im "Guten Menschen von Sezuan" schreibt Brecht: "Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen."
Das ist eine sehr treffende Beschreibung der momentanen Lage. Der Kongress löst sich langsam auf. Viele Heimwege sind lang und noch mehr Gesichter scheinen sich dieses Umstandes bewusst. "Was bleibt?" - wäre die erste Frage.
Wurden die großen Fragen überhaupt beantwortet? Was kann in einem anderthalbstündigen Workshop überhaupt geklärt werden? Themen werden angerissen, Vertiefung und Anwendung kann hier nicht passieren. Das ist nicht schlimm, wenn man sich der Möglichkeiten einer solchen Veranstaltung bewusst ist. Partizipation kann hier weniger geübt werden als im Schulalltag, das steht fest. Hier können nur die Grundlagen gelegt werden. Jeder hat hoffentlich trotzdem ein Stück von seinem Vorhang geöffnet. Jedes Ende ist ein Anfang. Vorhang auf für eine bessere Schulwelt.
von Robert Stark
Autor: Online-Redaktion
Datum: 15.09.2008
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